• Mindestens 25 Tote - Christen demonstrieren gegen die Einführung der Scharia in den Nordprovinzen

Politik : Mindestens 25 Tote - Christen demonstrieren gegen die Einführung der Scharia in den Nordprovinzen

Christoph Link

In Nordnigeria haben Straßenschlachten zwischen Christen und Moslems 25 Todesopfer gefordert. Auslöser der Krawalle in der Provinzhauptstadt Kaduna war eine Demonstration von Christen gegen die Einführung des islamischen Strafrechtes, das im Bundesstaat Zamfara bereits gilt . Seit Wochen hatte es in Kaduna täglich kleinere Demonstrationen von Muslimen für die Einführung der Scharia gegeben, zuletzt von muslimischen Frauen.

Am Montagmorgen antworteten mehrere Zehntausend Christen in Kaduna mit einem Protestmarsch gegen die Scharia. Während des traditionellen Glockenläutens hatten sie sich gemeinsam auf die Straße begeben. Als drei Muslime es wagten, die Demonstranten zu stören, wurden sie von der Menge erschlagen. Die Krawalle begannen. Mehrere Läden in der Innenstadt, die offensichtlich Muslimen gehören, wurden in Brand gesetzt. Die Krawalle hielten die Nacht über an, das Geschäftsleben war weitgehend lahmgelegt. "Die Scharia kann irgendwo in Nordnigeria angewandt werden, aber nicht hier. Kaduna ist anders, die Bevölkerung ist gemischt", begründete Festus Okoye, Sprecher der Menschrechtsgruppe "Human Rights Monitor" in Kaduna, den Sinn der Demonstration.

Kaduna, einer von 36 Bundesstaaten in Nigeria, zählt rund eine Million Einwohner, eine knappe Mehrheit davon ist muslimisch. Die Einführung des islamischen Strafrechtes im Bundesstaat Zamfara Ende Januar hatte auch in Kaduna für hitzige Debatten gesorgt. Zamfara hatte sich ein strenges Strafrecht gegeben, das die Steinigung von Prostituierten und Ehebrechern, die Handamputation bei Dieben und die Kreuzigung von Raubmördern vorsah. Vergangene Woche war die Scharia in Zamfaras Hauptstadt Gusau erstmals angewandt worden: Ein 18-Jähriger war in aller Öffentlichkeit mit 100 Peitschenhieben bestraft worden, weil er vor der Ehe Geschlechtsverkehr mit seiner 16-jährigen Freundin hatte. Bisher galt die Industriestadt als ausgesprochen friedlich, gepflegt, und kaum von Kriminalität geplagt. Der Einfluss des Islam in der Stadt ist nicht übermäßig stark, westliche Mode prägt das Straßenbild. Die nigerianische Bundesregierung hat bisher verhalten auf die Krawalle in Kaduna reagiert. Präsident Olusegun Obasanjo ordnete eine Untersuchung der Vorfälle an. Dem Christen Obasanjo war in der Presse mehrfach vorgeworfen worden, dass er ein klares Wort zur Scharia vermissen lässt.

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