Politik : Mindestens 66 Tote bei Halleneinsturz

Auch ein Deutscher unter Opfern der Katastrophe in Polen / Augenzeugen beklagen Sicherheitsmängel

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Die Zahl der Todesopfer beim Einsturz des Daches der Messehalle im südpolnischen Kattowitz hat sich am Sonntag auf mindestens 66 erhöht. Unter den Toten befand sich auch ein Mann aus Bayern. Mindestens vier weitere Deutsche wurden verletzt. 141 Verletzte wurden in Krankenhäuser eingeliefert. Die Chancen, dass aus den Trümmern der am Samstagabend eingestürzten Halle noch Überlebende geborgen werden könnten, bezeichnete die Einsatzleitung angesichts des Frostes als „nahe bei null“. Zum Zeitpunkt des Unglücks hielten sich zwischen 500 und 1000 Besucher einer internationalen Brieftaubenschau in der Halle auf.

Augenzeugen berichteten von schweren Sicherheitsmängeln in der Halle. So seien nur zwei Notausgänge geöffnet gewesen. Etliche Menschen hätten in Panik zu Stühlen gegriffen, um die Scheiben aus Sicherheitsglas einzuschlagen und ins Freie zu gelangen. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Ermittlungen nach der genauen Ursache des Unglücks eingeleitet. Die Behörden hielten sich mit Vermutungen über die Gründe für die Tragödie zunächst zurück. Am Sonntagnachmittag bestätigte jedoch der polnische Transportminister Jerzy Polaczek, dass auf dem Hallendach eine 50 Zentimeter dicke Schicht vereisten Schnees gelegen habe. Die Messeleitung hatte unmittelbar nach dem Unglück versichert, dass auf dem Dach der 2001 errichteten Halle „regelmäßig“ der Schnee geräumt worden sei. Polens Medien und Behörden hatten in den vergangenen Tagen mehrmals vor der Einsturzgefahr von Flachdach-Gebäuden durch tonnenschwere Schneelasten gewarnt. Premier Kazimierz Marcinkiewicz kündigte eine sofortige Überprüfung der Sicherheit aller öffentlichen Hallen des Landes an. Eine derartige Katastrophe dürfe sich nie mehr wiederholen.

Die Einsatzleitung der Rettungskräfte geht davon aus, dass die Zahl der Todesopfer noch ansteigen wird: In der schwer zugänglichen Mitte der Halle dürfte kaum ein Messe-Besucher das Unglück überlebt haben. Polens Präsident Lech Kaczynski ordnete am Sonntag eine nationale Staatstrauer an. In Kondolenztelegrammen bekundeten seine ausländischen Amtskollegen wie Deutschlands Präsident Horst Köhler, Russlands Präsident Wladimir Putin oder der französische Staatschef Jacques Chirac ihr Mitgefühl. Bundeskanzlerin Angela Merkel drückte in einem Schreiben an Polens Premier Marcinkiewicz ihr „tief empfundenes Beileid“ aus. In Rom erinnerte Papst Benedikt in polnischer Sprache an die Tragödie von Kattowitz.

Am 2. Januar waren beim Einsturz einer Eissporthalle im oberbayrischen Bad Reichenhall 15 Menschen ums Leben gekommen, 34 weitere wurden verletzt.

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