Mindestlohn : Verdi-Chef verwarnt Niedriglohnfirmen

Gewerkschaftschef Frank Bsirske hat auf dem Bundeskongress der Gewerkschaft in Leipzig starke Vorwürfe erhoben: Die Union leiste sich zu viel "Ignoranz" beim Thema Mindestlohn. Auch die Leiharbeit ist Bsirske ein Dorn im Auge.

LeipzigVerdi-Chef Frank Bsirske hat die Union wegen ihrer Blockadehaltung bei der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns scharf kritisiert. Während SPD, Linkspartei und Grüne bereits für einen Mindestlohn einträten, halte die Union an ihrer "Ignoranz" gegenüber den Lebensbedingungen vieler Menschen ebenso fest, wie gegenüber den positiven Erfahrungen, die in den Nachbarländern mit der Einführung des Mindestlohns gemacht worden seien, sagte Bsirske auf dem Verdi-Bundeskongress in Leipzig.

Die Politik habe durch ihre "Deregulierungswut die Tore für unwürdige Arbeitsbedingungen weit aufgestoßen". Nun sei es an den Politikern, diese Tore wieder zu schließen, sagte der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft weiter. Bsirske kündigte mit Blick auf die "dramatische Verschärfung der sozialen Gegensätze in Deutschland" an, die Mindestlohnkampagne fortzusetzen. In Deutschland liege der Anteil der Niedriglöhne seit dem Jahr 2000 über dem EU-Durchschnitt. Rund 1,5 Millionen Beschäftigte arbeiteten derzeit für weniger als fünf Euro brutto pro Stunde. Das sei noch weniger als der staatliche Mindestlohn in den USA.

Bsirske thematisiert Leiharbeit

"Unternehmen, deren Existenz lediglich davon abhängt, ihren Beschäftigten weniger als einen zum Leben ausreichenden Lohn zu zahlen, sollen in diesem Land kein Recht mehr haben, weiter ihre Geschäfte zu betreiben", forderte Bsirske. Er zitierte damit US-Präsident Franklin Delano Roosevelt anlässlich der Einführung des nationalen gesetzlichen Mindestlohnes in den USA im Jahr 1938. Ein weiteres gesellschaftspolitisch wichtiges Thema ist laut Bsirske die Leiharbeit. Immer mehr Firmen gründeten inzwischen eigene Leiharbeitsagenturen. Teile der Belegschaft würden dorthin überführt und anschließend wieder auf ihre alten Arbeitsplätze zurückgeliehen, wo sie dann für einen erheblich geringeren Lohn weiterarbeiteten.

Verdi fordert deshalb von der Politik Korrekturen, damit Leih- und Stammarbeitskräfte nach einer gewissen Frist gleich bezahlt werden. Zudem solle der Anteil der Leiharbeitskräfte in den Unternehmen begrenzt werden. "SPD, Grüne und Linkspartei zeigen sich offen für diese Position, und in der SPD arbeitet eine Arbeitsgruppe mit unserer Beteiligung an ihrer Konkretisierung", sagte Bsirske. Auf dem bis Samstag dauernden Verdi-Kongress wählen die rund 1000 Delegierten am Dienstag einen neuen Bundesvorstand. Danach beginnen die Beratungen zu über 1300 gesellschafts- und gewerkschaftspolitischen Anträgen. Verdi-Vorsitzender Frank Bsirske hält seine Grundsatzrede am Donnerstag. (mit AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben