Politik : Minister in Paris müssen nachsitzen

Sabine Heimgärtner

Paris - Englisch, Deutsch, oder „nur Französisch“? Während Bundeskanzler Gerhard Schröder und Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac bei ihrem Gipfeltreffen am Dienstag in Berlin darüber diskutierten, wie ein großes Manko zu beseitigen ist, nämlich dass immer weniger Deutsche und noch weniger Franzosen die jeweils andere Sprache erlernen, büffeln Frankreichs Minister in Abendkursen erst einmal Englisch. Ziel der beiden Regierungen ist es, dass bis zum Jahr 2013 rund die Hälfte der jeweiligen Bevölkerung die andere Sprache beherrscht. Doch was tun, wenn die Mehrheit der französischen Politiker noch nicht einmal fit im Englischen ist?

Eine von der Zeitung „Le Parisien“ veröffentlichte Untersuchung ergab, dass nur sechs der 43 Regierenden in Paris einigermaßen passabel englisch sprechen, der Rest greift bei internationalen Konferenzen beschämt zum Kopfhörer, darunter peinlicherweise Frankreichs neuer Außenminister Michel Barnier. Er und viele andere, darunter Premierminister Jean-Pierre Raffarin, Verkehrsminister Gilles de Robien und sogar der Polit-Star Nicolas Sarkozy (Wirtschaft) wurden jetzt zu abendlichen Sprachkursen verdonnert.

Der Einzige, der wirklich glänzt im Englischen, ist der frühere Außenminister Dominique de Villepin – und der ist neuerdings ausgerechnet Pariser Innenminister. Nicht viel besser sieht es in Brüssel aus. Als „Treppenwitz der EU-Geschichte“, so ein Diplomat, empfinden viele EU-Mitglieder und Journalisten, dass der einzige französische Kommissar in der aktuellen Runde der Sprache Shakespeares nicht mächtig ist. Nun also ist Paris im Zugzwang. Englisch, Englisch und noch einmal Englisch, so heißt die Devise – und die Sprache des „Lieblingsnachbarn“ Deutschland bleibt erneut im Hintergrund.

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