Politik : Minister: Nitrofen-Skandal nicht aufgeklärt

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Berlin/Schwerin (fro/clk/dpa). Der Nitrofen-Skandal ist offenbar noch nicht vollständig aufgeklärt. Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) vermutet weitere Nitrofen-Quellen. „Da muss einer massiv dieses Produkt darüber gestreut haben“, sagte er am Dienstag in Schwerin.

„Wir sind von der Aufklärung des Futtermittelskandals noch weit entfernt.“ Denn die im Staub der einstigen Pflanzenschutzmittel-Halle festgestellten Gift- Werte reichen laut Backhaus nicht aus, um so viel Futtermittel in so stark zu kontaminieren. Außerdem habe ein Öko-Bauer aus Mecklenburg-Vorpommern sein Getreide direkt an die GS agri in Niedersachsen geliefert. Bei der Eingangskontrolle wurde Nitrofen im Getreide festgestellt, obwohl es „nichts mit Malchin zu tun hat“. Außerdem sei der Bauernhof inzwischen überprüft worden. Nitrofen wurde nicht gefunden.

„Das Phänomen kann nicht auf Mecklenburg-Vorpommern beschränkt werden“, sagte Backhaus. Er lässt nun alle ehemaligen Pflanzenschutzlager aus DDR- Zeiten in Mecklenburg-Vorpommern überprüfen. An mindestens drei von neun Standorten der einstigen so genannten Materialtechnischen Versorgung (MTV) werde noch heute Getreide gelagert. Verbraucherschutzministerin Renate Künast betonte dagegen, die Lagerhalle in Malchin sei die einzige bewiesene Quelle für den Nitrofen-Skandal. Backhaus habe zum Ausdruck bringen wollen, dass auf dem Transportweg und Vermischungsweg weitere Verunreinigungen stattgefunden haben könnten.

In Mecklenburg-Vorpommern wurde unterdessen ein weiterer Betrieb eines Öko-Geflügelhofes gesperrt. Laut Backhaus erhielt er erst in den vergangenen Tagen Futtermittel von GS agri in Niedersachsen. Eine Probe auf Nitrofen war positiv.

Aus der mit dem Pflanzengift Nitrofen belasteten Lagerhalle in Mecklenburg-Vorpommern sind auch nach Schleswig-Holstein rund 50 Tonnen Bio-Futterweizen geliefert worden. Das Agrarministerium in Kiel hat den Futtermittelhändler und einen Schweinemastbetrieb gesperrt. Allein in der Stadt Bremen sind seit November 2001 rund 600 Kilogramm mit Nitrofen belastetes Geflügelfleisch verkauft worden. Der größte Teil ging an Kindertagesstätten.

Künast stellte am Dienstag eine neue Werbekampagne vor. Freiheit für die Legehennen und Klarheit für die Verbraucher sei das Motto der Aktion. Die Käfighaltung der rund 50 Millionen Legehennen in Deutschland wird Schritt für Schritt verboten. Außerdem müssen Eier künftig mit einem Code gekennzeichnet werden. Von 2004 an ist die Kennzeichnung in allen EU-Staaten Pflicht.

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