Politik : Ministerin für Frauen Büroleiter und weiter nach oben

In der Mohrenstraße hieß sie „Angela Ahnungslos“. Im Pressehaus in der Berliner Mohrenstraße hatten die meisten West-Medien ihre

Büros, und die stellvertretende Sprecherin der ersten frei gewählten DDR-Regierung hatte dort einen durchwachsenen Ruf. Bis hinauf zu den

Ministern

plauderte

im Rausch

der frisch

erstrittenen

Demokratie jeder alles aus, was es zu wissen gab; nur diese Frau mit dem

sonderbaren Pott-Schnitt nicht. Es dauerte eine Weile, bis die ersten Journalisten verstanden, dass Angela Merkel einfach schneller als ihre Kollegen die Schule des Westens begriffen hatte: Pressesprecher müssen alles wissen, aber nicht alles sagen. Den Job verdankt sie übrigens Thomas de Maizière, Vetter und Berater des letzten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière. Der wiederum empfiehlt sie später Helmut Kohl. Und nach einem legendär gewordenen Bewerbungsgespräch – ob sie „mit Frauen könne“, erkundigte sich der Kanzler der Einheit – wird Merkel im Januar 1991 Bundesministerin für Frauen und Jugend. Vier Jahre später verdrängt Kohl mit seinem „Mädchen“ Klaus Töpfer aus dem Bundesumweltministerium, der vielen in der CDU zu erfolgreich geworden war. Die Bundesministerin Merkel war unauffällig, eine Polit-Auszubildende ohne Hausmacht, die nebenbei die Zeit nutzte, die Welt und den Westen zu verstehen. Geholfen haben ihr dabei zwei Männer: Peter Hintze war ihr Beauftragter für den Zivildienst, Willi Hausmann ihr Staatssekretär. Mit ihnen begann der Aufbau eines kleinen, aber über all die Jahre höchst

stabilen Netzwerks engster Weggefährten.

Nach dem Machtverlust in Bonn überwintert

Steinbrück kurz als Referent in der SPD-Bundestagsfraktion, dann rufen ihn erst Klaus Matthiesen und später Johannes Rau in den Dienst des

Landes Nordrhein-Westfalen. Nach kurzer Zeit sitzt Steinbrück als Büroleiter neben dem Ministerpräsidenten, der gerade mehr als 52 Prozent für die SPD geholt hat. Steinbrücks Glaube an strategische politische Planung wird auf eine harte Probe gestellt: Johannes Rau regiert anders. Auch dass Rau Menschen einfängt und sie dann so positioniert, dass sie sich gegenseitig neutralisieren und seine Machtposition nicht gefährden, ist nicht

unbedingt Steinbrücks Ding. Wenn aber Rau, auch das eine Eigenart, anderen gegenüber nicht direkt werden will, dann springt sein Büroleiter, der das kann, schon mal ein. Rau wiederum kennt die SPD von unten. Da hat Steinbrück Defizite.

Als Björn Engholm 1990 die Wahlen in Schleswig- Holstein gewinnt, braucht er politische Talente, Steinbrück wechselt nach Kiel, zunächst als Staatssekretär ins Umweltministerium. Rasch fällt auf, dass nicht der Minister, sondern der Hamburger mit der fixen Auffassungsgabe und dem losen Mundwerk die Fäden zieht. Folgerichtig wird Steinbrück nach Engholms Abgang Wirtschaftsminister im ersten Kabinett von Heide Simonis (im Bild).

Es kommt, wie es kommen muss: Deren Politikstil passt nicht wirklich mit seinem zusammen.

Steinbrück polarisiert, er kämpft gegen die Grünen für die Autobahn A 20, setzt sich durch und sprengt dabei fast die rot-grüne

Koalition. Als er dann noch den Nordstaat propagiert, also Schleswig-Holstein aufgeben will, und das mit Bemerkungen über Simonis’ Pepita-Stil garniert, ist es aus.

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