Politik : Ministerin Schmidt fordert Fusion zu einer Bundes-AOK

Rainer Woratschka

Berlin - Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hat die Allgemeinen Ortskrankenkassen aufgefordert, sich langfristig zu einer Bundes-AOK zusammenzuschließen. Dies wäre ein Schritt, um die regionale Risikoverteilung zu verbessern und Verwaltungskosten zu sparen, sagte die SPD-Politikerin der „Passauer Neuen Presse“. Der Vorstandschef des AOK- Bundesverbands, Hans-Jürgen Ahrens, reagierte verhalten zustimmend. Er verwies auf bisherige Zusammenlegungen und erklärte, dieser Prozess werde weitergehen. Die AOK-Gemeinschaft passe ihre Organisationsstrukturen laufend den sich wandelnden Marktbedingungen an.

Tatsächlich hat der Verband schon zwei erfolgreiche Fusionen hinter sich: die Vereinigung der AOK-Rheinland und der AOK-Hamburg zur AOK-Rheinland/Hamburg im Juli 2006 sowie den Zusammenschluss der AOK Sachsen und der AOK Thüringen zur AOK Plus zu Beginn dieses Jahres. Und die ganz große Fusionswelle liegt auch erst wenige Jahre zurück. Mit dem Gesundheitsstrukturgesetz von 1992, der Einführung der freien Kassenwahl und des freien Wettbewerbs unter den Krankenkassen, schrumpfte die Zahl der Ortskrankenkassen bereits von knapp 300 auf heute 15.

Dass sich diese Entwicklung mit dem Gesundheitsfonds forcieren wird, ist AOK-intern keine Frage – auch wenn sich größere Kassen wie in Bayern oder Baden-Württemberg diesbezüglich noch eher zögerlich verhalten. Schon bei der von der Politik geforderten Entschuldung mussten die unterschiedlich finanzstarken AOK enger zusammenrücken und sich gegenseitig helfen. Und mit dem Vorsatz, im kommenden Jahr so lange wie möglich ohne Zusatzbeiträge für die Versicherten auszukommen, wird sich die Zusammenarbeit weiter verstärken.

Schon heute sei die AOK-Gemeinschaft führend bei der Realisierung von Kostenvorteilen für ihre Mitglieder durch bundesweite Ausschreibung von Arzneimittel-Rabattverträgen, erinnert Ahrens. Allerdings müsse man nun erst einmal sehen, wie sich der Markt unter den neuen Gegebenheiten entwickle. Nah am Kunden müsse man schon bleiben, sagt AOK-Sprecher Udo Barske. Das sei immer die Stärke der Ortskrankenkassen gewesen. Rainer Woratschka

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