Politik : Ministerin wirbt um Hilfe für Klimaopfer

Hans Monath

Berlin - Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) hat die Industrieländer in einem dramatischen Appell aufgefordert, den armen Ländern schnell bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels zu helfen. „Es reicht nicht, stapelweise Studien in Auftrag zu geben, deren Ergebnisse zu beklagen und nichts zu unternehmen“, sagte die Ministerin dem Tagesspiegel mit Blick auf die UN-Klimakonferenz in Nairobi. Es sei „eine Frage der Gerechtigkeit“, dass die Industrieländer als Verursacher des Klimawandels für die Folgen aufkommen.

Nach Ansicht der SPD-Politikerin reicht es nicht aus, dass die Industrieländer ihre Reduktionsverpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll erfüllen. Die reichen Staaten müssten vielmehr „durch ernsthafte finanzielle Zusagen den Entwicklungsländern signalisieren, dass sie bereit sind, ihnen bei der Anpassung an die Folgen des nicht mehr abwendbaren Klimawandels zur Seite zu stehen“. Die Kosten dafür schätzt die Ministerin auf hunderte Milliarden Dollar. „ Dieser Preis ist nicht zu hoch, wenn die Industrieländer eine Katastrophe abwenden wollen, die unendlich viel menschliches Leid und die Destabilisierung ganzer Regionen verursachen würde“, sagte die Politikerin. „Wenn wir nicht bald konsequent handeln, werden uns die Entwicklungsländer vorwerfen, dass die westlichen Industrieländer den Klimawandel zu verantworten haben, sie aber die Zeche zahlen sollen.“ Eine solche Schieflage werde die Zukunft von internationalen Vereinbarungen gefährden.

Für viele arme Länder sei der Klimawandel nicht nur eine Drohung, sondern Realität. „Der ohnehin von Wassermangel geplagte Kontinent Afrika bekommt die Schrecken bereits zu spüren“, sagte die Ministerin. Das Schmelzen der Eiskappe des höchsten Bergs Afrikas, des Kilimandscharo, sei eine deutliche Warnung, dass der Wasserhaushalt der Region geschädigt werde. „Hungersnöte in bisher unbekanntem Ausmaß sind wahrscheinlich, wenn nicht schnell gehandelt wird.“

Die Ministerin warb für die Idee, Entwicklungsländern Kompensationen zu zahlen, die ihre Tropenwälder nicht weiter abholzen. Die Vernichtung des Tropenwaldes trage zu einem Viertel zu den weltweiten Emissionen bei. Die Entwicklungsländer hatten selbst vorgeschlagen, die Erhaltung der Wälder in Verträge zum Schutz des Klimas zu integrieren. „Diesen Ansatz unterstütze ich mit aller Kraft“, sagte die Ministerin.

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