Politik : Ministerin: Wirtschaft soll Dritter Welt helfen

Ulrike Fokken

Der Kampf gegen den Terror fängt beim Kampf gegen die Armut an. Das wussten die Organisatoren des UN-Gipfels für nachhaltige Entwicklung zwar schon vor dem Anschlag vom 11. September, aber ihre Überlegungen finden nun Gehör. Die Entsendung der Bundeswehr sei schließlich auch nur ein Teil des Anti-Terror-Pakets der Regierung, sagte gestern Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) auf einem Forum zur Vorbereitung des Gipfels. Wieczorek-Zeul bereitet mit Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) den Weltgipfel vor, der 2002 in Johannesburg stattfindet. Zu dem Treffen am Dienstag hatten sie auch verschiedene Nichtregierungsorganisationen aus dem In- und Ausland und Vertreter der Industrie geladen.

"Internationale Umweltpolitik ist auch Friedenspolitik", sagte Trittin. Immerhin sind weltweit 25 Millionen Menschen auf der Flucht, weil in ihrer Heimat kein Wasser mehr fließt. Flucht und Vertreibung verstärken die Armut, verringern die Bildungschancen, schwächen damit die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes und können zu politischen Unruhen führen. Da von der Globalisierung bislang in erster Linie die reichen Staaten profitiert haben, fordern Wieczorek-Zeul und Trittin einen "Global Deal" zwischen den Industrie- und den Entwicklungsländern. Die reichen Staaten sollten ihre Versprechen der vorangegangene Weltgipfel einlösen und den Entwicklungsländern verstärkt finanziell und technisch helfen, um sie nachhaltig zu entwickeln.

Die beiden Minister wollen, dass der Gipfel in Johanneburg keine abgeschottete Regierungsveranstaltung ist, sondern ein offener Dialog. "Wir wollen bewusst ein Zeichen setzen gegen das, was in Genua zu sehen war", sagte Trittin. Auf dem G-8-Gipfel im Sommer hatten sich die Regierungsspitzen verschanzt, während auf der Straße hunderttausende gegen die Vorherrschaft der Industriestaaten demonstrierten. "Die Globalisierung darf nicht sich selbst überlassen bleiben", sagte Trittin.

Seine Kabinettskollegin Wieczorek-Zeul forderte die Wirtschaft dazu auf, den Entwicklungsländern eine effiziente und nachhaltige Energiegewinnung zu ermöglichen. Das sei nicht ohne Geld machbar. "Wir brauchen einen Nachschub für die Entschuldungsinitiative", sagte Wieczorek-Zeul. Denn allein in den Entwicklungsländern wird sich in den nächsten 30 Jahren der Energiebedarf verdoppeln.

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