Politik : Ministerpräsidentenwahl: Wolfgang Clement bleibt Landeschef in Nordrhein-Westfalen

Jürgen Zurheide

Das Ereignis liegt jetzt schon mehr als zwei Stunden hinter ihm, aber so ganz verarbeitet hat er es noch nicht. Jürgen Möllemann läßt sich in einen der schweren Sessel im Foyer des Düsseldorfer Landtages fallen, sein Gesichtsausdruck wirkt etwas weniger heiter, als das in den vergangenen Wochen der Fall gewesen ist. Was er Wolfgang Clement gewünscht hat, als er ihm nach dessen Wahl vor den Augen der Öffentlichkeit gratuliert hat, will sein Gesprächspartner wissen. "Nun, ich habe ihm persönlich viel Glück gewünscht", antwortet Möllemann und für kurze Zeit blitzt sein selbstsicheres Lächeln wieder auf, als er hinzufügt, "viel Glück für die politische Arbeit konnte ich ihm ja nicht wünschen".

Bis in die Nacht vor der Wiederwahl Clements hatte Möllemann auf ein kleines politisches Wunder gehofft und lautstark darüber spekuliert, dass der eine oder andere Heckenschütze in den rot-grünen Reihen das Zweckbündnis am Rhein gefährden könnte. "Sie werden sich noch wundern, was da alles passiert", hatte Möllemann nicht nur den Journalisten zugerufen.

Dabei hatten ihm einflussreiche Sozialdemokraten noch in der Nacht vor der Wahl zu erklären versucht, dass die Zeit für sozial-liberale Experimente noch nicht reif ist, weil die SPD in dieser Frage noch hinter der Bevölkerung herhinkt und zumindest die Funktionäre innerhalb der Partei auf rot-grün fixiert sind. "Das ist wohl eher ein Prozess", hatte man Möllemann zu verstehen gegeben, was dessen Enttäuschung nicht milderte. "Selbst Schuld", war nach der klaren Wahl von Clement sein offizieller Kommentar.

Auf den Fluren des Landtages wird jetzt darüber spekuliert, wer sich in der geheimen Abstimmung dem Fraktionswünschen entzogen hat. Mindestens ein Mitglied der Opposition hat für Clement gestimmt, was den natürlich mächtig freute. "Das ist ein wunderbarer Tag", schwärmte der alte und neue Ministerpräsident noch Stunden danach. "Das war der Möllemann", juxte Franz Müntefering, der sich köstlich darüber amüsierte wie viele Journalisten diesen kleinen Giftpfeil für die FDP transportierten. Natürlich wurde viel darüber spekuliert, dass mindestens eine Stimme aus dem Lager der Union gekommen sein muß, denn auf diese Weise hat die CDU alle sozial-liberalen Tändeleien zunächst einmal verschoben.

In diesem Zusammenhang fiel in der Tat in Düsseldorf auf, wie häufig die verschiedenen Redner der SPD davon sprachen, dass die Koalition nun für fünf Jahre arbeite. "Vor uns liegen fünf schöne Jahre", schwärmte der grüne Multi-Minister Michael Vesper immer wieder demonstrativ. Selbst Wolfgang Clement, aber auch Fraktionschef Edgar Moron sprachen bei einer kleinen improvisierten Feier im elften Stock der Staatskanzlei, also dort, wo man Stunden und Tage um den Vertrag gerungen hatte, ein wenig zu demonstrativ von den fünf Jahren die nun vor der Koalition lägen. Jürgen Rüttgers legte den Finger in diese Wunde. "Das Gewürge wird weitergehen, es liegt eine bleierne Zeit vor Nordrhein-Westfalen", sagte der Oppositionsführer.

Wolfgang Clement mochte sich dadurch allerdings die Laune nicht verderben lassen. In den nächsten Tagen ist er wirklich mächtig, als gewählter Ministerpräsident kann er den sozialdemokratischen Teil des Kabinettes bestimmen, den Landtag muß er nicht fragen. "Es wird besser, als manche im Moment glauben", sagte er vieldeutig. Kaum jemand rechnet noch damit, dass er die Ministerriege verändert, zumal er sich öffentlich so festgelegt hat. Da sich Veränderungen aber auch an Personen festmachen, wird er intern mächtig gedrängt, mindestens ein Zeichen zu setzen. Am Montag will Clement die Namen präsentieren.

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