Politik : Minutiös vorbereitet

Eine islamistische Gruppe hat sich zu dem Anschlag in Beirut bekannt – will sie religiöse Konflikte schüren?

Andrea Nüsse[Kairo]

Die Ermordung des früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri hat Libanon in Aufruhr versetzt und Angst vor neuer Instabilität ausgelöst. Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan warnte vor einem Wiederaufbrechen alter Konflikte. „Derartige Taten sind ein Rückfall in ein Kapitel der libanesischen Geschichte, von dem wir hofften, dass es der fernen Vergangenheit angehörte“, hieß es in einer am Montag in New York verbreiteten Stellungnahme Annans. In dem Land war zwar nach dem Taif-Abkommen, das 1990 den Bürgerkrieg beendete, relative Ruhe eingekehrt. Jedoch gab es in großen Abständen politische Attentate, die oft nicht aufgeklärt wurden. Zuletzt war im Herbst ein Anschlag auf einen Oppositionspolitiker verübt worden, der Syriens Einmischung in Libanon kritisiert hatte.

In einem am Montag von al Dschasira ausgestrahlten Video erklärte ein Mann, eine Gruppe namens „Sieg und Dschihad im Lande Al-Scham (Großsyrien)“ habe Hariri ermordet, weil dieser ein „Agent“ Saudi-Arabiens gewesen sei. Tatsächlich galt Hariri als Garant der Verbindungen Libanons zu Saudi-Arabien, unter dessen Schirmherrschaft das Friedensabkommen nach dem Bürgerkrieg zustande kam. Libanon hat mit Hariri aber auch einen seiner besten Kontakte zum Internationalen Währungsfonds und anderen internationalen Institutionen verloren.

Zunächst war auch ein mafiöser Hintergrund bei dem Anschlag auf den erfolgreichen Unternehmer nicht ausgeschlossen worden. Doch das offenbar minutiös und professionell vorbereitete Attentat passt nach Ansicht von Beobachtern nicht in dieses Schema. Viele Experten äußerten den Verdacht, durch den Anschlag wollten Radikale die Spannungen zwischen den Religionsgemeinschaften wiederbeleben. Der 60-jährige Hariri selbst war Sunnit.

Um Spekulationen über eine Tatbeteiligung Syriens im Keim zu ersticken, verurteilte der syrische Präsident Baschar al Assad das Attentat als einen „furchtbaren Terrorakt“. Der Anschlag erfolgte zu einem Zeitpunkt, zu dem Libanon und Syrien, das etwa 14000 Soldaten im Nachbarland stationiert und maßgeblichen Einfluss in der libanesischen Politik hat, unter internationalem Druck stehen. Eine UN-Resolution forderte im September den Abzug aller ausländischen Truppen aus Libanon. Auch Hariri, der während seiner Amtszeit noch mit Syrien kooperiert hatte, war Damaskus gegenüber zuletzt kritisch eingestellt gewesen.

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