Politik : Mirko Norac Protestmärsche: Der Trotz der "vaterländischen Krieger"

Stephan Israel

Alle wollen an diesem Tag Mirko sein. Das bubenhafte Gesicht von Mirko Norac prangt auf Plakaten, die im Protestmarsch mitgetragen werden. Findige verkaufen Ansteckknöpfe mit dem Foto des ehemaligen Generals. "Ich bin Mirko Norac", hat einer auf sein T-Shirt gemalt. "Ich bin ein Kriegsverbrecher", erklärt sich ein anderer mit dem ehemaligen General der kroatischen Armee solidarisch. Tagelang haben die Veteranen von Kroatiens "vaterländischem Krieg" Straßen blockiert und vergangenen Sonntag in der Küstenstadt Split mit einem Massenaufmarsch der Regierung in Zagreb Schrecken eingejagt.

Auch die Demonstration in der Hauptstadt ist wieder ganz Mirko Norac gewidmet. Für die Kriegsveteranen ist er ein Held, einer der ihren. Die Justizbehörden hingegen wollen den Kämpfer der ersten Stunde im Zusammenhang mit der Ermordung von mehreren Dutzend serbischen Zivilisten in Gospic befragen. Mirko Norac war dort im Oktober Ortskommandant, als mehrere Dutzend serbische Dorfbewohner aus ihren Häusern geholt und exekutiert wurden. Den Justizbehörden liegen Zeugenaussagen vor, wonach Mirko Norac dabei auch persönlich Hand angelegt haben soll.

Doch Mirko Norac, vom nationalistischen Präsidenten Franjo Tudjman noch zum General befördert und dann von Nachfolger Stipe Mesic im vergangenen Jahr 33-jährig aus dem Dienst entlassen, hat sich der Befragung der Justizbehörden entzogen. Seit letzter Woche ist Mirko Norac untergetaucht. Kroatische Zeitungen vermuteten den Gesuchten am Donnerstag in einem Kloster in Herzegowina, der Hochburg der kroatischen Nationalisten.

Die Demonstranten in Zagreb skandieren seinen Vornamen immer wieder. Und sie schimpfen vor allem auf die Regierung. Doch manchmal sagen Gesichter mehr als tausend Worte. Es sind Männer mit müden, verlebten Gesichtern, die zum Protest in der Hauptstadt Zagreb zusammen gekommen sind. Einige tragen kurz geschorene Haare und Lederjacken, als wäre der Krieg nicht schon vor fünf Jahren zu Ende gegangen. Gemeinsam ist man bereits am Morgen lärmend und kroatische Fahnen schwingend durchs Zentrum marschiert. Der Geruch von Alkohol und billigen Zigaretten hängt in der Luft. Kurz vor Mittag zieht dann die lange Kolonne die engen Gassen hinauf in die Oberstadt. Auf dem Markusplatz, zwischen Regierungsgebäuden eingeklemmt, will man den wütenden Protest direkt bei der zuständigen Stelle deponieren.

An den Erfolg vom Wochenende können die Organisatoren jedoch nicht anknüpfen. Höchstens 5000 Veteranen und Angehörige haben den Weg in die Hauptstadt gefunden. Gemeinsam verabschiedet man eine Deklaration: An erster Stelle wird zwar eine Generalamnestie, eine Art Weißwaschung aller Veteranen verlangt. In Punkt zwei bis sieben fordern die Kämpfer jedoch Jobs und soziale Privilegien als "Entschädigung" für den Einsatz im "Vaterländischen Krieg".

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