Politik : Missbrauch: Beauftragter kritisiert Bund „Vereinbarungen werden nicht umgesetzt“

Berlin - Das Engagement der Bundesregierung für Opfer von sexuellem Missbrauch scheint zu erlahmen. Der neue Unabhängige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung beklagte nach 100 Tagen im Amt, dass der Bund keine unabhängige Clearingstelle eingerichtet habe, wie es im November 2011 am Runden Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch“ zugesagt wurde. „Es gibt nicht mal ein Konzept“, sagte Johannes-Wilhelm Rörig am Montag in Berlin. Die Clearingstelle soll entscheiden, welche Kosten bei Hilfen für Missbrauchsopfer übernommen werden sollen. Auch mit der Vereinbarung, mehr Hilfen und ein flächendeckendes Netz von Beratungsstellen zu etablieren, sei man nicht vorangekommen.

Aufgabe des Unabhängigen Missbrauchsbeauftragten ist es, Bund, Länder und zivilgesellschaftliche Organisationen dazu zu bringen, dass sie die Beschlüsse des Runden Tisches umsetzen. Durch Verträge will Rörig mehr Verbindlichkeit in die Umsetzung der Präventionsleitlinien bringen. Sanktionsmöglichkeiten wird es aber wohl nicht geben.

Unterdessen wurde bekannt, dass im Bistum Trier pädophile Priester, die wegen Missbrauchs verurteilt wurden, weiter beschäftigt werden. Forensische Gutachten würden dies rechtfertigen, erklärte das Bistum, man sehe keinen Grund, das zu ändern. „Es darf nicht sein, dass pädosexuelle Täter weiter in einem Umfeld eingesetzt werden, wo sie Kontakt zu Jugendlichen haben“, sagte Rörig dazu. clk

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