Missbrauch : Katholische Kirche gibt Vertuschung zu

Bischof Ackermann zeigt sich schockiert über das Ausmaß des Missbrauchs. Auch die Kanzlerin hat sich eingeschaltet. Es soll nun doch einen gemeinsamen Runden Tisch geben.

Stephan Haselberger

BerlinBerlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich in die Debatte um den Missbrauch von Kindern in kirchlichen Einrichtungen eingeschaltet. Die Regierung habe sich nun doch auf einen gemeinsamen Runden Tisch zur Aufarbeitung des Skandals geeinigt, erklärte sie am Mittwoch im Bundestag. Die Aufklärung der Missbrauchsfälle sei eine Herausforderung für die ganze Gesellschaft und nicht nur eine Sache der Kirche. „Es gibt nur eine Möglichkeit, dass unsere Gesellschaft mit diesen Fällen klarkommt, und das heißt: Wahrheit und Klarheit über alles, was passiert ist.“

Nach den Worten von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) soll der Runde Tisch seine Arbeit bereits im April aufnehmen. „Wir sind derzeit innerhalb der Bundesregierung im Gespräch, um möglichst schnell, vielleicht bereits am 23. April, mit einem breit aufgestellten Gremium starten zu können.“ Darin könnten Prävention, Aufklärung, Opferentschädigung und rechtspolitische Konsequenzen beraten werden. Bisher war geplant, dass Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) am 23. April einen Runden Tisch zu Prävention veranstaltet, während dieJustizministerin ein Gremium zu Entschädigungsfragen und rechtlichen Schlussfolgerungen einrichten wollte.

Der Sonderbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, gab am Mittwoch die Vertuschung vom Missbrauchsfällen durch die katholische Kirche zu. „Da, wo wirklich kein Aufklärungswille war und Täter einfach nur versetzt wurden, müssen wir in einer ganzen Reihe von Fällen gestehen, dass vertuscht worden ist.“ Ackermann sagte den Opfern eine zügige Aufarbeitung zu. „Wir werden in diesem Jahr unsere Leitlinien und die Entschädigung geklärt haben.“ Dabei sei die finanzielle Unterstützung nur ein Teil der Entschädigung: „Die Anerkennung des Unrechts muss diesen Menschen auch gerecht werden. Wir wollen uns nicht durch bestimmte Summen freikaufen“. In einem Brief an die Gläubigen seines Bistums zeigte sich Ackermann entsetzt über die Dimension des Skandals. Die katholische Kirche werde „mit menschlichen Abgründen in bisher nicht geahntem Ausmaß konfrontiert“. Ihn erreichten „zahlreiche Hinweise und Schilderungen von Opfern“ weit über das Bistum Trier hinaus. „Die „verbrecherischen Handlungen einiger“ verdunkelten das Gesicht der Kirche.

Der Papst wird seinen Hirtenbrief zum Missbrauch in der irischen Kirche am Freitag unterzeichnen. Das Schreiben sei Ausdruck seiner „tiefen Besorgnis“ über den Kindesmissbrauch, der die irische Kirche schwer erschüttert habe, sagte der Papst. Der Brief wird auch in Deutschland mit Spannung erwartet, da er eine grundsätzliche Stellungnahme des Papstes zu Missbrauch enthalten könnte. Der Termin der Veröffentlichung ist unbekannt.

Der Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Frankfurt am Main, Peter Dudek, forderte eine Aufarbeitung der Geschichte der reformpädagogisch orientierten deutschen Landschulheime. Dies sei eine notwendige Konsequenz aus den Missbrauchsfällen an der hessischen Odenwaldschule, schreibt der Reformpädagogikexperte in einem Beitrag für den Tagesspiegel.

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