Missbrauchsaffären : Mehr Gläubige verlassen die Kirche

Wegen der Missbrauchsaffären in kirchlichen Einrichtungen steigt in vielen Städten die Zahl der Kirchenaustritte deutlich an.

München - Wie das Nachrichtenmagazin „Focus“ meldet, traten in München allein im März 1691 Menschen aus den beiden großen Glaubensgemeinschaften aus, überwiegend Katholiken. Vor zwei Jahren wurden im selben Zeitraum 614 Austritte verzeichnet. In Nürnberg und Augsburg verdreifachte sich die Zahl der Austritte im Vergleich zu März 2008 auf 507 und 258. Die bayerischen Behörden trennen in der Statistik nicht zwischen Konfessionen, gehen aber von einer großen Mehrheit an Katholiken aus. Auch in anderen Städten verzeichnet die katholische Kirche im März herbe Verluste: In Köln verließen mit 601 Kirchenmitgliedern fast doppelt so viele Katholiken ihre Gemeinden wie vor zwei Jahren (325).

Unterdessen fordern prominente Theologen ein neues Konzil der katholischen Kirche. Auf einer Versammlung der Bischöfe mit möglichst vielen Laien solle ehrlich über die tiefste Vertrauenskrise seit der Reformation gesprochen werden, sagte der Tübinger Theologe Hans Küng (82) am Wochenende in einem SWR-Interview. Der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff (71) erklärte nur ein Konzil könne die katholische Kirche vor dem „völligen Niedergang“ retten. Das letzte große Konzil in der katholischen Kirche fand vor mehr als 40 Jahren statt. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) gilt als Meilenstein der Kirchengeschichte. Es hatte den Weg zu mehr Ökumene eröffnet und das Verhältnis der römisch-katholischen Kirche zur Welt modernisiert.ddp

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