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Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung : Schulen sollen mehr gegen sexuellen Missbrauch tun

Betroffen von sexuellem Missbrauch seien derzeit "ein bis zwei Kinder pro Klasse", sagt der Missbrauchsbeauftragte der Regierung, Johannes-Wilhelm Rörig.

Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung.
Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung.Foto: Thilo Rückeis

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, fordert alle Schulen auf, mehr gegen sexuellen Missbrauch zu tun und dabei auch besser über Gefahren durch moderne Medien aufzuklären. Derzeit gebe es nach Schätzungen ein bis zwei betroffene Kinder pro Klasse, sagte Rörig am Dienstag in Berlin. 2015 habe es 12.000 Anzeigen gegeben, aber inklusive einer hohen Dunkelziffer „müssen wir davon ausgehen, dass es bis zu 100.000 Fälle gibt“. Rörig äußerte sich anlässlich der Präsentation einer neuen bundesweiten Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“, die in Kooperation mit den 16 Kultusministerien stattfindet.

Als erstes Bundesland startet Nordrhein-Westfalen damit am kommenden Montag. Alle weiteren Länder sollen bis Ende 2018 folgen. Das Thema Missbrauch müsse auch ins Schulprogramm aufgenommen werden, forderte Rörig weiter. „Schulen stehen nicht unter Generalverdacht, aber Schulen können gefährliche Orte sein“, betonte der Missbrauchsbeauftragte. An jeder Schule müsse das Thema daher offen angesprochen werden: „Schweigen hilft nur den Tätern. Schülerinnen und Schüler müssen an jeder Schule vertrauensvolle Ansprechpersonen finden.“ Bundesweit gibt es rund 30.000 Schulen.

Besonders wichtig sei es, Schüler, Lehrer und Eltern über die Gefahren aufzuklären, die über die modernen Medien an die Schüler herangetragen würden: „Sie müssen zum Beispiel wissen, was Sexting ist und wie sie sich davor schützen können.“ Experten warnen immer wieder davor, dass Kinder beim sogenannten Sexting von Gleichaltrigen und auch von Erwachsenen ausgenutzt werden, indem sie aufgefordert werden, Nacktbilder von sich über Handy und Internet zu verschicken. Diese könnten sehr schnell missbraucht werden. Die Initiative wird von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) unterstützt.

GEW-Vorsoitzende Marlis Tepe betonte, Schulen bräuchten für Lehrer mehr Fortbildungsangebote zum Thema Missbrauch. Der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann sagte, Schulen bräuchten Schutzkonzepte. Offenheit und Transparenz sollten helfen, das Tabu zu durchbrechen. Die Erziehungswissenschaftlerin Catharina Beuster, die auch dem von Rörig eingerichteten Betroffenenrat angehört, erklärte, Lehrer und Erzieher müssten geschult werden, damit sie „die vorsichtigen Signale von Kindern hören und Hilfe vermitteln können“. Die Verantwortung für die Verhinderung, Unterbrechung und Hilfe bei sexueller Gewalt liege einzig und allein in den Händen Erwachsener. (kna)

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