Missbrauchsskandal : Der Papst und die Kleinen

Das Kirchenoberhaupt spricht erneut zum Kindesmissbrauch durch Priester. Papst Benedikt XVI. bat um Vergebung – und bekräftigte den Zölibat.

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Segen den Brüdern. Der Papst während der Messe zum Priesterjahr. Foto: Giuseppe Giglia/dpa
Segen den Brüdern. Der Papst während der Messe zum Priesterjahr. Foto: Giuseppe Giglia/dpaFoto: dpa

Benedikt XVI. hat erneut um Vergebung für den Missbrauch in der Kirche gebeten. Vor etwa 15 000 Priestern aus aller Welt sagte er am Donnerstag, der „Missbrauch der Kleinen“ durch Kleriker habe das Priestertum als „Auftrag der Sorge Gottes um den Menschen in sein Gegenteil verkehrt“. „Wir bitten Gott und die betroffenen Menschen inständig um Vergebung und versprechen zugleich, dass wir alles tun wollen, um solchen Missbrauch nicht wieder vorkommen zu lassen.“ Die Kirche sehe „das Geschehene dankbar als Auftrag zur Reinigung an, der uns in die Zukunft begleitet.“

Der Papst kündigte an, „sündige Priester“ auch zu bestrafen. Wie ein Hirt seinen Stock „gegen wilde Tiere und Räuber“ einsetze, so „kann für die Kirche der Gebrauch des Stockes ein Dienst der Liebe sein“, sagte Benedikt: „Wir sehen heute, dass es keine Liebe ist, wenn ein für das priesterliche Leben unwürdiges Verhalten geduldet wird.“

Mit der festlichen, ihrer Stimmung nach geradezu fröhlich-gelösten Messe auf dem Petersplatz beendete der Papst das „Priesterjahr“, das er 2009 ausgerufen hatte, um den Wert des „in der Kirche durch nichts zu ersetzenden Priestertums“ zu unterstreichen und die 408 000 Geweihten in aller Welt neu zu motivieren. Angemeldet waren 9700 Seelsorger, die Hälfte aus Italien. Deutsche stellten mit 738 Priestern nach Frankreich (811) das drittgrößte Kontingent.

Italienische und vatikanische Bischöfe hatten zuerst versucht, das Priestertreffen zu einer Art politischen Solidaritätskundgebung für den in den Missbrauchsskandalen „zu Unrecht attackierten, verfolgten Papst“ umzufunktionieren; der Demonstrationscharakter blieb am Ende jedoch weit hinter der geistlichen Atmosphäre des dreitägigen Treffens zurück. In einer straff durchgeplanten, auf schöne Bilder bedachten Regie unterblieben auch peinliche Auftritte wie jene „Grußadresse“ des Kardinaldekans Angelo Sodano, der beim Ostergottesdienst die Missbrauchsberichte als „Geschwätz des Augenblicks“ abgetan hatte.

Wie alle Prediger – darunter der Kölner Kardinal Joachim Meisner –, so unterstrich auch der von den Priestern umjubelte Benedikt XVI. eindringlich und mehrfach den Wert des Zölibats. In den Augen einer Welt, die nur in der Gegenwart lebe, sei der Zölibat „ein Skandal“, der „verschwinden“ solle; für die Kirche sei die Ehelosigkeit das Zeichen eines „ganz auf Gott gestellten Lebens“; er werde jedoch verdunkelt durch „zweitrangige Skandale, die unserer Unzulänglichkeit und der Sünde entspringen“: „Wir müssen Gott bitten, uns davon frei zu machen.“

Auch am Donnerstagabend, als er aus dem Stegreif auf Fragen der Teilnehmer antwortete, lehnte der Papst eine Reform des Priestertums ab. Er sagte, man dürfe dieses Amt „nicht zu einem Beruf wie jeder andere machen wollen“. Auf Klagen eines Teilnehmers, die Zahl der Priester nehme stark ab, sagte er lediglich, dann müsse man eben „umso energischer bei Gott um neue Berufungen anklopfen“. Speziell die deutschsprachigen Priester rief Benedikt „zur Einheit mit dem Papst“ auf: „Wenn wir miteinander verbunden bleiben, können uns die Winde des Augenblicks nicht verbiegen oder brechen.“

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