Politik : Misshandlungen in Armee: Bericht listet drei neue Fälle auf

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Berlin/Münster/Coesfeld Im Misshandlungsskandal bei der Bundeswehr hat das Verteidigungsministerium in seinem Zwischenbericht insgesamt 18 Fälle ermittelt. Darin sind drei neue Fälle enthalten, bei denen Soldaten entwürdigend behandelt worden sind, bestätigte ein Sprecher am Mittwochabend in Berlin. Zudem gehe das Ressort vier Beschwerden nach, bei denen Soldaten vorschriftswidrig als Geisel genommen worden sein sollen. In einem Fall soll es zu einer Scheinhinrichtung gekommen sein, sagte der Sprecher. Der Bericht war am Mittwoch den Abgeordneten des Verteidigungsausschusses zugeleitet worden.

Die Bundeswehr-Führung hat insgesamt acht Fälle ermittelt, bei denen wie in Coesfeld (NRW) vorschriftswidrig Gefangennahme oder Geiselbefreiung von Ausbildern auf eigene Faust geübt wurden. Dabei sei es zumindest zu „Verstößen gegen die Grundsätze der Menschenführung“ gekommen, wenn nicht gar zu Misshandlungen wie in Sonthofen (Bayern), berichtete die „Süddeutsche Zeitung“. Die Fälle sind in Grundzügen schon bekannt.

Weitere acht Fälle nennt der Bericht, in denen „Grundsätze der Inneren Führung gravierend missachtet oder Soldaten entwürdigend behandelt“, aber nicht gezielt Gefangen- oder Geiselnahmen geübt wurden. Neben den bekannten Vorkommnissen werden drei weitere Verstöße genannt. Bei den Fallschirmjägern in Varel (Niedersachsen) soll ein Unteroffizier Untergebene geschlagen und mit der Waffe bedroht haben. In Doberlug (Brandenburg) sollen Rekruten mit einem Elektrohalsband für Hunde traktiert worden sein. Und in Hamm (NRW) konnten zuvor festgesetzte Soldaten ihre Fesseln nach drei Minuten selbst lösen.

Nach den Misshandlungen von Soldaten im westfälischen Coesfeld hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ausgeweitet. Inzwischen werde gegen 27 Soldaten ermittelt, sagte Münsters Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer am Mittwoch. Darunter seien ein Hauptmann, 19 Unteroffiziere und sieben Mannschaftsdienstgrade. Wehrpflichtige waren in Coesfeld mit Schwachstrom und Schlägen malträtiert worden. dpa

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