Politik : Mission Vergangenheit

-

Über Behörden wird nicht viel gestritten in Deutschland, über jene, die er zehn Jahre lang geführt hat, schon. Joachim Gauck galt den einen als Synonym für das historische Unterfangen, das Treiben eines diktatorischen Spitzelstaats bis zu seinen Handlangern auszuleuchten. Die anderen erkannten in dem heute 63Jährigen einen politischen Überzeugungstäter, der zur Abrechnung mit einem verhassten Regime angetreten war. Zwischen diesen Polen, als Held der Aufklärer oder angefeindet als Hetzer, musste er sich behaupten. Er tut es noch. Im Streit um die Stasi-Akten ergreift er Partei für seine Nachfolgerin Marianne Birthler. Wie damals schon, als Minister Otto Schily sie zurechtweisen wollte. Geht es nach Gauck, so hat Altkanzler Helmut Kohl die Herausgabe seiner Akten zu dulden. Aufarbeitung tut Not, auch im Kanzleramt. Dass Kohl ein Opfer, ein Bespitzelter der Stasi war, tut für ihn nichts zur Sache. Das Parlament verfolge mit dem Stasi-Unterlagengesetz eine höhere Mission. Gauck hat sich entschieden, und er ist entschieden. Die Aufarbeitung mittels der Geheimdienst-Akten dauere noch Jahrzehnte. Damit am Ende niemand mehr zweifelt, was für ein Staat die DDR gewesen ist. neu

0 Kommentare

Neuester Kommentar