Politik : Mit Amerika gegen die Ajatollahs

Junge Iraner erwarten Reformen nur durch Druck von außen

Andrea Nüsse[Teheran]

„Wann marschieren die Amerikaner endlich nach Teheran?“, fragt der 27-jährige Hossein. Der Politik-Student an der staatlichen Universität von Teheran sitzt im Café „Gap" und trinkt einen Cappuccino. Er ist ungeduldig. Er will Veränderung. „Präsident Chatami hat uns Reformen versprochen, aber er kommt nicht voran. Die konservativen Geistlichen in der Justiz und in den politischen Kontrollgremien bremsen ihn aus“, analysiert Hossein. Er glaubt, dass nur massive Intervention von außen die politische Patt-Situation zugunsten der iranischen Reformer verändern kann. So wie Hossein haben viele junge Iraner die US-Intervention im Irak begrüßt. Die Haltung steht im Kontrast zu der von Teilen der iranischen Regierung, die sich mit offener Kritik an den USA zurückhalten, aber doch die Invasion in das Nachbarland in den eigenen Medien negativ darstellen.

„Die fragwürdige Legalität des Krieges und das Fehlen einer UN-Zustimmung zum Angriff auf den Irak war den meisten Iranern egal. Sie interessieren sich nur für die Auswirkungen des Krieges auf die interne Entwicklung in Iran“, erklärt der Teheraner Politikprofessor Davour Hermides Bavand. „Die meisten Menschen glauben nicht mehr, dass das politische System in Iran reformierbar ist.“ Seiner Meinung nach ist offen, welches Lager durch den amerikanischen Waffengang gestärkt wird. „Allein die Präsenz der US-Armee in unserer Nähe verunsichert die Konservativen in der Regierung“, glaubt er jedoch. Sie hätten einen „Vorgeschmack" davon bekommen, dass Veränderung „unausweichlich" sei. Dies könnte dazu führen, dass sie Reformen beschleunigen. Wenn aber die Verhältnisse im Irak chaotisch blieben, werde das konservative Establishment in Teheran gestärkt.

Ibrahin Jasdi, der „Vorsitzende“ der liberalen iranischen Freiheitspartei, die nicht offiziell zugelassen, aber geduldet wird, sieht bereits erste Veränderungen in Iran durch die amerikanische Intervention. Vorige Woche haben 250 Parlamentarier, Journalisten, Ex-Minister, Universitäts-Professoren und seine Partei eine Petition veröffentlicht, in der sie die „Mindestanforderungen" für sofortige politische Reformen aufgelistet haben. Darunter die Freilassung aller politischer Häftlinge und die Abschaffung des Wächterrates, der über die Zulassung von Kandidaten für die Parlamentswahlen entscheidet und fest in der Hand der Konservativen ist. Es sei das erste Mal, dass ein so breit gefächertes politisches Spektrum eine gemeinsame Petition verfasst habe, sagt Jasdi.

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