Politik : Mit amerikanischem Akzent Litauens Präsident Adamkus will

am Sonntag wiedergewählt werden

Claudia von Salzen

Bei der letzten Präsidentenwahl in Litauen war er nur ein Außenseiter. Ein Heimkehrer aus dem Exil, der aber überraschend die Stichwahl gewann. Dabei wäre Valdas Adamkus 1997 beinahe nicht zur Wahl zugelassen worden, weil er noch die US-Staatsbürgerschaft besaß. In die Präsidentenwahl an diesem Sonntag geht der Amtsinhaber Adamkus als Favorit. Umfragen zufolge käme er auf 33,5 Prozent der Stimmen. Parlamentspräsident Arturas Paulauskas, den Adamkus bei der letzten Stichwahl nur ganz knapp überholte, käme auf rund zwölf Prozent. In den Medien wurde Adamkus’ Wahl damals noch als „politische Sensation“ gewertet.

Anders heute: Die übrigen 15 Kandidaten, die am Sonntag beim Rennen um das Präsidentenamt antreten, gelten als weitgehend chancenlos. Unklar ist allerdings, ob Adamkus schon im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichen kann oder sich am 5. Januar erneut einer Stichwahl stellen muss.

Im Wahlkampf gab sich Adamkus betont gelassen. Er setzte ganz auf den Bonus des Amtsinhabers: „Die Menschen haben mich jetzt fast fünf Jahre im Amt gesehen. Wenn sie dem zustimmen, was ich mache, werde ich ihre Stimmen bekommen“, sagte der 76-Jährige. In der Außenpolitik, für die Litauens Präsident vor allem zuständig ist, kann Adamkus in diesem Jahr gleich zwei große Erfolge verbuchen: die Einladung zum Nato-Beitritt und die Mitgliedschaft in der Europäischen Union vom 1. Mai 2004 an. Beides rechnen die Litauer ihrem Präsidenten an, der sich seit seinem Amtsantritt um die Heranführung seines Landes an die Nato und die EU bemüht hatte.

Für das kleine Land war auch der Besuch von US-Präsident George W. Bush Ende November ein einschneidendes Erlebnis – schließlich war es das erste Mal, dass ein US-Präsident die frühere Sowjetrepublik besuchte. Dem litauischen Präsidenten brachte Bush ein besonderes Gastgeschenk mit: einen von Michael Jordan signierten Basketball. Adamkus, der offenbar bis heute ein Fan der „Chicago Bulls“ ist, hatte fast ein halbes Jahrhundert in Chicago gelebt. In seiner Jugend hatte er in der litauischen Unabhängigkeitsbewegung gegen die Sowjetunion gekämpft, danach musste er das Land verlassen und ging über Deutschland in die Vereinigten Staaten. Noch heute spricht der Präsident Litauisch mit einem amerikanischen Akzent. Dass er als Außenseiter in die Politik kam und keiner Partei angehört, ist nach Ansicht von Beobachtern jedoch für die Wahl eher von Vorteil.

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