Politik : Mit Ausstrahlung

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Manchmal entscheidet schon alleine der Ort einer Veranstaltung über ihren Erfolg oder Misserfolg. Dabei geht es nicht nur darum, ob die Redner gut zu verstehen sind oder die Gäste auch bequem sitzen. Wenn es ganz gut läuft, trägt auch der „genius loci“, die Ausstrahlung eines Gebäudes oder einer Landschaft, zum Gelingen bei. Das Aspen Institute Berlin hatte am Montagabend zu einer Debatte über „Entwicklung, Demokratie und Islam: Zwischenbilanz Afghanistan, Ausblick Irak“ geladen. Und es entpuppte sich als glücklicher Umstand, dass die Programmmacher das Treffen in den vierten Stock des Pergamonmuseums gelegt hatten. Zwischen den bröckelnden Resten des „Palasts von Mschatta“, der aus der ersten Hälfte des achten Jahrhunderts stammt, hörten die Gäste, wie der Direktor der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), Wolfgang Schmitt, und der Göttinger Politikwissenschaftler Bassam Tibi sich kritisch mit US-Plänen zur schnellen Neuordnung des Iraks und anderer islamischer Staaten nach einem Krieg auseinander setzten. Die Argumente, wonach kultureller Wandel oder gar Fortschritte auf dem Weg zu einer Demokratisierung nach allen Erfahrungen der Geschichte Zeit brauchen und die Bedeutung des Islam nicht unterschätzt werden dürfe, entfalteten vor der steinernen Torfassade des ursprünglich südöstlich der jordanischen Hauptstadt Amman gelegenen Palastes eine ganz besondere Wirkung. Übrigens: Das Tor war einmal als Geschenk des Sultans Abdulhamid an Kaiser Wilhelm II. nach Berlin gekommen. Ob die Aspen-Leute dabei im Blick hatten, dass Kritiker Kanzler Schröder wegen seiner Außenpolitik „linken Wilhelminismus“ vorwerfen?

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