Politik : Mit besten Grüßen aus Rom

Warum eine italienische Journalistin den USA brisante Dokumente gab

Thomas Migge[Rom]

Sie heißt Elisabetta Burba und macht das, was viele Italiener zurzeit machen: Ferien. Die Rückkehr der Journalistin wird mit Spannung erwartet. Denn spätestens seit Samstag ist Signora Burba eine Schlüsselfigur in der Affäre um umstrittenes Geheimdienstmaterial. In einem Interview mit der Zeitung „Corriere della Sera“ hatte Burba gesagt, sie habe die wahrscheinlich gefälschten Dokumente, die belegen sollen, dass Saddam Hussein in Niger rund 2900 Tonnen Uran kaufen wollte, einem US-Diplomaten zur Prüfung übergeben.

US-Präsident Georg W. Bush hatte in seiner Rede zur Lage der Nation am 28. Januar erklärt, die britische Regierung habe erfahren, dass der Irak versucht habe, in Afrika Uran zu kaufen, um Atomwaffen zu bauen. CIA-Direktor George Tenet übernahm inzwischen die Verantwortung dafür, dass diese Passage nicht aus der Bush-Rede gestrichen wurde.

Woher die Dokumente stammen, war lange Zeit unklar. In einem Interview mit verschiedenen italienischen Tageszeitungen äußerte sich am Sonntag Carlo Rossella zu den Hintergründen. Rossella ist Chefredakteur von „Panorama“, einem der meistgelesenen politischen Wochenmagazine Italiens, das zur Unternehmensgruppe von Silvio Berlusconi gehört. Der Journalist berichtete, seine Mitarbeiterin Burba habe die Dokumente Ende 2002 aus nur ihr bekannter Quelle erhalten. Wie es heißt, sei Burba mehrfach beruflich in den Niger gereist. Rossella sagte, „Panorama” habe für die Unterlagen nicht bezahlt. Er betonte, seine Mitarbeiterin arbeite professionell und seriös. Die Tatsache, dass „Panorama“ die Dokumente nicht veröffentlichte, habe nichts mit deren Glaubwürdigkeit oder Unglaubwürdigkeit zu tun. Burba hatte dagegen betont, nach ihren Recherchen seien die Unterlagen vollkommen unglaubwürdig gewesen. Die Unterlagen seien nicht der Regierung in Rom oder dem nationalen Geheimdienst ausgehändigt worden, da die US-Kriegsvorbereitungen schon liefen. Burba habe das Material nach einem Gespräch mit ihm in die US-Botschaft in Rom gebracht. „Ich ging davon aus, dass die Amerikaner die einzigen waren, die die Unterlagen auf ihren Wahrheitsgehalt hin untersuchen konnten“, sagte Rosella. Es sei nicht seine Absicht gewesen, die USA zu informieren, „sondern keine Falschinformationen zu publizieren”.

Rossella kündigte an, Burba werde nach ihren Ferien am Freitag die Hintergründe ihrer Quelle für die Dokumente aufdecken – in der nächsten Ausgabe von „Panorama“.

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