Politik : Mit bösen Worten auf gutem Weg (Kommentar)

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Wenn es um Geld und Moral geht, liegen die Nerven blank. Wenn dann noch entsprechende Stichworte fallen - Sklavenarbeiter, Konzentrationslager, Großindustrie, NS-Vergangenheit - dürfen derbe Worte nicht überraschen. Sechs Milliarden Mark haben die Vertreter der deutschen Industrie den ehemaligen Zwangsarbeitern als Entschädigung angeboten. Ist das nun viel oder wenig? "Würdig" nennt Gerhard Schröder die Offerte. "Beleidigend" nennt sie die Gegenseite, die Deutschen erweisen sich damit als "die Geizhälse des nächsten Jahrtausends". Die rhetorischen Paukenschläge der Opferanwälte, begleitet von einer drastischen Anzeigenkampagne, können jedoch eines nicht übertönen: Die Gespräche, unter Federführung von Otto Graf Lambsdorff, verlaufen bislang erfolgreich. Dass die Gegenseite, trotz der als zu gering empfundenen Summe, am Verhandlungstisch bleibt, ist das Maximum dessen, was von dem Treffen in Washington zu erwarten war. Jetzt wird weiter gepokert. Graf Lambsdorff muss nachbessern und noch mehr deutsche Firmen ins Boot ziehen. Die Anwälte der Überlebenden werden derweil den moralischen und politischen Druck weiter erhöhen. Die Erfahrung hat sie leider gelehrt, dass bloße Appelle an Anstand und Verantwortung nicht genügen. Der Ton bleibt daher gereizt. Und doch: Wie es aussieht, sind beide Seiten an einem Ergebnis interessiert.

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