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Politik : Mit Bräuten, Sängern und Kreuzdamen

10.08.2012 00:00 Uhrvon
Protest in Gorleben: Geht die Erkundung des Salzstocks weiter, blockieren wir ebenfalls weiter, versprechen die Atomkraftgegner. Foto: Focke Strangmann/dapd Foto: dapdBild vergrößern
Protest in Gorleben: Geht die Erkundung des Salzstocks weiter, blockieren wir ebenfalls weiter, versprechen die Atomkraftgegner. Foto: Focke Strangmann/dapd - Foto: dapd

Die Anti-Atomkraft-Kampagne „Gorleben 365“ blockiert seit einem Jahr Zufahrtsstraßen – und will ihre Aktionen ausweiten.

Göttingen - Das Brautpaar kam mit der Pferdekutsche. Am 21. Juli feierten Jochen Neumann und Anne Kümmel ihre Hochzeit mit einer Blockade vor dem Gorlebener Endlager-Bergwerk. Für die rund 170 Gäste aus Nah und Fern hatte das Brautpaar – Neumann und Kümmel hatten sich vor Jahren bei Protesten gegen Castortransporte kennengelernt – allerlei Kurzweiliges organisiert. Vor Tor Nummer zwei konnte man wahlweise Fußball spielen, Anti-Atom-Dosen werfen oder eine Widerstandsausstellung besichtigen. Für die Kinder gab es Ponyreiten, Sandhaufen, einen Kriechtunnel und viel Kreide zum Bemalen des Asphalts.

Bereits am 5. Mai hatten die Hamburger Michael Friedrich und Bina Ropeter vor 120 Anwesenden vor einem der massiven Stahltore, die den Zugang zum Gorlebener Salzstock versperren, die Ringe getauscht.

Vor einem provisorischen Altar verbanden sich die Brautleute zusätzlich mit zwei Bändern und den Worten: „Kein Mensch soll an diesem Bande zerren, es gebe euch Kraft, Zuversicht, Stärke und Anlehnung an den anderen.“

Die beiden Hochzeitsblockaden machten einiges Aufsehen. Es waren aber nicht die einzigen Aktionen der Mitte August 2011 gestarteten Kampagne „Gorleben 365“. An möglichst vielen Tagen eines Jahres, so verkündeten die Initiative „X-tausendmal quer“ und das wendländische Bildungs- und Begegnungszentrum „Kurve Wustrow“, sollten die Zufahrten zum Bergwerk versperrt werden. An immerhin rund 100 Tagen gelang das auch.

So feierten Aktivisten mit Freunden in Gorleben ihren Geburtstag, Kartenspieler richteten ein Doppelkopfturnier aus, Chöre und Orchester musizierten mitten auf der Straße. Umweltschützer aus Osnabrück versperrten unter der Parole „Atommüll ist kein Kinderspiel“ die Tore des Bergwerks. Eine Gruppe aus dem Rheinland strickte vor dem Zaun ein riesiges „X“ aus Wolle zusammen. Auch Abgeordnete von Grünen in Linken hockten schon auf der Straße. An einer „Meditationsblockade“ beteiligten sich dagegen nur zwei Aktive. Insgesamt hätten sich rund 1 500 Blockierer aus ganz Deutschland an den Aktionen beteiligt, bilanziert Mit-Organisatorin Katja Tempel.

Wirksam stören konnten die Blockierer den Erkundungsbetrieb allerdings nur selten. Wenige Male gelang ihnen für kurze Zeit, alle sechs Zufahren zu dem Gelände im Gorlebener Wald gleichzeitig zu versperren und so einen Schichtwechsel zu verzögern. Während einer Blockade mussten Werkschützer eine zusätzliche Bresche in den Zaun schneiden, um Beschäftigten die Aus- und Einfahrt zu ermöglichen. Die Polizei habe sich in den meisten Fällen aufs Beobachten der Aktionen beschränkt, sagt ein Sprecher.

Eigentlich wollten die Akw-Gegner ihre Kampagne nach einem Jahr beenden. Wegen der Verlängerung der Arbeiten im Salzstock soll es nun aber weitergehen. „Wenn die Bundesregierung den Hauptbetriebsplan in Gorleben verlängert, dann verlängern wir auch unsere Blockade- Kampagne vor den Toren des Erkundungsbergwerks“, sagt Tempel. „Notfalls läuft auch diese Nachfolgekampagne nicht nur ein Jahr, sondern so lange, bis Gorleben endlich vom Tisch ist.“ Doch zunächst will „Gorleben 365“ an diesem Wochenende mit einem 24-stündigen Blockade- Marathon sein einjähriges „Jubiläum“ feiern. Reimar Paul

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