Politik : …mit dem Pfund gewuchert wird

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Aus England dringt frohe Kunde an unser Ohr, und wenn nicht noch hintenraus etwas Herzerweichenderes geschieht, dann wird es sich hier bereits um die „Gute Nachricht der Woche“ gehandelt haben: In der High Street des kleinen Städtchens Worcester nämlich hat dieser Tage der 37jährige Brite Chris Aljadarat in nobelster Absicht und, wie es heißt, dabei glücklich lächelnd einen ganzen Haufen von 20-Pfund-Noten aus seinem Privatvermögen an Passanten verteilt.

Ein zufällig vorbeikommender, wiewohl außer Dienst befindlicher Polizist konnte sich vom ordnungsgemäßen Zustand der Banknoten überzeugen und auch davon, ob Aljadarat wohl noch alle Latten am Zaun habe. Beides, so heißt es, sei der Fall gewesen. Ob der Polizist danach wenigstens 20 Pfund abgegriffen habe – schließlich hatte er ja Freizeit –, ist nicht überliefert, letztlich aber auch nicht so wichtig.

Wichtig ist Aljadarat. Will er uns prüfen? Was treibt ihn? Ein bisschen jedenfalls muss der junge Mann noch von dieser Welt sein, davon zeugt zumindest seine Aussage, dass er sich nun zwar erleichtert fühle, gleichzeitig aber auch ein wenig Bammel davor habe, was wohl seine Freundin sage. Die sei nämlich gerade Pleite.

Oh, da wären auch wir gespannt! Und bestimmt findet sich demnächst davon eine Notiz in den „Worcester News“, Medien pflegen solchen Geschichten ja mit Fug und Recht auf den Grund zu gehen, um zumindest Antwortfragmente auf die Frage zu erhalten: Wie ist die Welt?

Ja, wie ist sie? Zögerlich ist sie, abwartend und misstrauisch. Die reine Seele hat es da nicht leicht. In Deutschland, zum Beispiel, soll es kürzlich eine Kunstaktion gegeben haben, bei der ein Künstler Leute dazu aufrief, ihm Geld zu senden. Das geschickte Geld, versprach er, werde er auf ein Konto einzahlen. Das stetig wachsende Konto hätte dann das Kunstwerk sein sollen. Daraus wurde nichts, weil die Leute dies für eine Finte hielten, nicht für Kunst.

Auch Chris Aljadarat hatte so seine Schwierigkeiten. Obwohl er insgesamt sogar 10000 Pfund dabei hatte, wurde er letztlich nur 2000 Pfund los. (Möglicherweise wird der Krach mit der Freundin ja im Lichte des übrig gebliebenen Betrags nicht ganz so dramatisch.) Die Leute auf der High Street aber, sagt er, hätten phasenweise gedacht, es handle sich um Falschgeld oder irgendeinen anderen billigen Trick. Manchmal, sagt Aljadarat, „war ich regelrecht schockiert“.

Wahrscheinlich wollte der gute Chris Aljadarat einfach zu viel. In 20-Pfund-Häppchen das Glück zu zwingen – das ist wohl selbst in England ein bisschen zu viel Understatement. Vbn

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