Politik : Mit dem Unterschied leben

Arbeitsmarkt, Löhne und Mieten im Vergleich

Albert Funk

Berlin - Die Lebensverhältnisse in den deutschen Regionen seien nun einmal unterschiedlich, das lasse sich nicht einebnen, ohne den Subventionsstaat zu zementieren. Das hat Bundespräsident Horst Köhler gesagt und damit eine OstWest-Debatte provoziert, auch wenn er seine Äußerungen so nicht verstanden wissen will. Wie aber steht es um die Differenzen? Ist der Osten wirklich überall ärmer dran? Bei den Renten ist das Bild jedenfalls schief. Im Osten bekommt der durchschnittliche Arbeiterrentner 738 Euro im Monat, im Westen dagegen 606 Euro. Bei den ehemaligen Angestellten sin d es 864 (Ost) und 822 Euro (West). Allerdings haben West-Rentner im Schnitt ein höheres Vermögen.

Dagegen sind die Einkommen im Osten geringer als im Westen: Ein Tischler in Magdeburg zum Beispiel bekommt 8,60 in der Stunde, sein Kollege in Braunschweig 13,20. In anderen Berufen sieht das Verhältnis etwas besser aus. Insgesamt liegt das Ost-Niveau bei 74 Prozent West. Doch auch im Westen gibt es Differenzen. Der Durchschnittsangestellte in Baden-Württemberg verdient 3483, der im Saarland 3070 Euro brutto im Monat. Zum Vergleich: Im Osten sind es im Schnitt 2400 Euro. Die Produktivität ist freilich auch sehr unterschiedlich: In Bayern liegt sie bei 56 000 Euro je Erwerbstätigen, in Sachsen dagegen nur bei 37 500. Der Osten insgesamt kommt auch hier auf 74 Prozent des Westniveaus.

Das Dreiviertelverhältnis zeigt sich auch bei den Mieten: Die liegen im Westen im Schnitt bei 432 Euro im Monat, im Osten bei 324 Euro – das sind 75 Prozent. Allerdings leben zwei Drittel der Haushalte im Osten zur Miete, im Westen ist es nur gut die Hälfte. Bei Familienhaushalten mit mehr als drei Personen ist dagegen die Angleichung fast vorhanden: Im Westen leben 56 Prozent im Eigenheim, im Osten 53 Prozent.

Arbeitslos waren 2003 im Schnitt im Osten 18,8 Prozent; die schlechtesten West-Flächenländer haben nur halb so viel. Arbeitslosenhilfe bekamen 2003 im Osten 1,55 Millionen Menschen, im Westen 2,49 Millionen (ohne Berlin). Für die Sozialhilfe gaben die neuen Länder 2003 etwa 2,8 Milliarden Euro aus, die westdeutschen Länder (ohne die Stadtstaaten) 18,8 Milliarden. Wohngeld erhielten im Westen fast zwei Millionen Menschen, im Osten 760 000. Zum Vergleich: Die fünf neuen Länder stellen mit 13,7 Millionen Einwohnern etwa 17 Prozent der deutschen Bevölkerung.

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