Politik : Mit den Schüssen kam die Angst

Birmas Militär droht mit „extremen Aktionen“ – nur noch wenige Mönche unter den Protestierenden

Rangun - Nun geht doch die Angst um. Was Wunder? Die Staatsgewalt in Birma ging am Donnerstag nicht nur mit unverminderter Härte gegen Demonstranten vor – das Militär drohte ihnen auch über Lautsprecher „extreme Aktionen“ an. Das verfehlte seine Wirkung nicht.

Als gestern rund 10 000 Demonstranten in der Nähe der abgeschirmten Sule-Pagode schwer bewaffneten Sicherheitskräften gegenüberstanden, waren nur noch wenige Mönche darunter. Sie waren bisher die Speerspitze der größten Massenproteste in Birma seit Niederschlagung der Demokratiebewegung 1988. Zur Verhinderung weiterer Proteste hatten birmanische Soldaten in der Nacht Klöster in der Hafenstadt Rangun gestürmt und mehr als 100 Mönche festgenommen. Augenzeugen berichteten, die Mönche seien geschlagen und schreiend aus den Klöstern abtransportiert worden. Dennoch gab es am Donnerstag neue Proteste gegen das Militärregime und für Demokratie in dem südostasiatischen Land. Doch Militär und Polizei räumten eine der großen Straßen in der Metropole Rangun, auf der sich erneut Tausende von Demonstranten versammelt hatten. Die Soldaten schossen erneut in die Menge. Staatliche Medien in Rangun bestätigten, dass es dabei neun Tote gegeben habe, darunter einen japanischen Pressefotografen.

Der UN-Sicherheitsrat konnte sich unterdessen wegen des Widerstands Chinas nicht auf eine Verurteilung des Blutvergießens in Birma einigen. Bei einer Dringlichkeitssitzung am Mittwoch in New York verständigte sich das höchste UN-Gremiums lediglich auf einen zurückhaltenden Appell an die Machthaber in Birma. Über Sanktionen wurde in der Sitzung nicht beraten. Der chinesische UN-Vertreter Guangya Wang sagte, niemand habe mehr Interesse an Stabilität in Birma als das benachbarte China. Die Hilfe müsse aber konstruktiv sein. „Sanktionen sind nicht hilfreich für die Situation vor Ort.“ UN-Generalsekretär Ban Ki Moon entschied, seinen Sondergesandten Ibrahim Gambari in dringender Mission nach Birma zu entsenden. dpa

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