Politik : Mit Gott und den Fußballgöttern

Claudia von Salzen

Auch die Kirche hat die Werbung für sich entdeckt: Mit einer bundesweiten Imagekampagne will die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in den kommenden Monaten auf sich aufmerksam machen. Allen fünf Motiven gemeinsam ist ein strahlend blauer Himmel - und eine scheinbar vordergründige Frage an den Betrachter. "Woran denken Sie bei Ostern?", fragt die EKD auf dem ersten Motiv ihrer Kampagne, und gibt gleich vier mögliche Antworten zum Ankreuzen vor: "Ferien - Cholesterin - Jesu Auferstehung - Langeweile in der Familie". Pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft fragt die EKD: "Sind Fußballer unsere wahren Götter?" Und natürlich darf auch die Frage "Was ist Glück?" nicht fehlen.

Die Fragen sind bewusst offen formuliert - unter dem Motto "Lassen Sie uns gemeinsam Antworten finden" sucht die EKD das Gespräch. Zielgruppe der Kampagne sind nach Angabe von EKD-Ratspräsident Manfred Kock diejenigen, die mit den kirchlichen Angeboten nicht oder nicht mehr vertraut sind. "Wir wollen dazu einladen, unsere Kirche neu als einen Raum zu entdecken, in dem auf wichtige Fragen des Lebens Antworten gewagt werden", sagte der badische Landesbischof Ulrich Fischer, der die Kampagne mit vorbereitet hat. 1,5 Millionen Euro kostet die Kampagne, die von der Berliner Agentur "Melle, Pufe, W,H,S" gestaltet wurde. Ein zentrales Element der Kampagne ist eine bundesweite Hotline, über die Anrufer mit eigens geschulten Mitarbeitern ihrer jeweiligen Landeskirche verbunden werden.

Der Erfolg der Aktion hängt nach Auffassung von Landesbischof Fischer davon ab, wie gut die Vermittlung an die Basis gelingt und ob die Gemeinden die Themen umsetzen. Vor zehn Jahren hatte der Kölner Stadtkirchenverband bereits eine Kampagne initiiert - letzlich lehnten die Gemeinden aber deren Fortsetzung ab. Zu den größten Kritikern der EKD-Werbeaktion gehört heute der Initiator der Kölner Kampagne, Günter Menne. Er warf der EKD im "Rheinischen Merkur" vor, aus den Fehlern von damals nichts gelernt zu haben. Doch auch die Frageform der Aktion stößt innerhalb der Kirche auf Kritik. So sieht Menne die Kampagne als "Wertediskussion light". Fischer indes berichtete, dass bei der Vorbereitung die Frage, ob Fußballer heute die wahren Götter seien, innerkirchlich umstritten war. Doch gerade bei diesem Thema gab es in einer Testgruppe in Dresden die heftigsten Debatten.

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