Politik : Mit harter Hand gegen den Terror Bali zehn Jahre nach dem islamistischen Anschlag

Denpasar - Für Ni Luh Erniati ist die Welt am 12. Oktober 2002 zusammengebrochen. Damals rissen sie zwei verheerende Bombenexplosionen aus einem zufriedenen Leben. Ihr Mann war Kellner auf der Touristenmeile Kuta auf der indonesischen Ferieninsel Bali. Die Bomben zerfetzten ihn. Sie rissen 202 Menschen in den Tod.

„Für mich ging die Welt zu Ende, ich hatte nichts“, sagt Erniati, die mit zwei kleinen Söhnen plötzlich allein war. „Ich habe der Realität aber ins Auge geschaut und aufgehört zu weinen.“ Sie hat mit anderen Frauen, die ihre Männer bei den Anschlägen verloren haben, Nähen gelernt und mit Spendengeldern Nähmaschinen gekauft. Zu fünft nähen sie heute T-Shirts, Taschen und Jacken mit Aufschriften wie: „Bali liebt den Frieden“ oder „Lächeln fürs Leben“.

Indonesien ist das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt. 86 Prozent der 232 Millionen Einwohner sind Muslime. Weil Religion moderat gelebt wird, sahen Gesellschaft und Regierung lange keine extremistische Gefahr. Der Drahtzieher der BaliBomben-Anschläge, die Terrorgruppe Jemaah Islamiyah, wurde unterschätzt. Mit den Anschlägen setzte ein radikales Umdenken ein: Innerhalb von Wochen peitschte die Regierung Anti-Terror-Gesetze mit hohen Strafen durch das Parlament.

„Aus einer Phase des Leugnens hat sich in Indonesien in zehn Jahren eine effektive Strafverfolgung entwickelt“, sagt Terrorexperte Jim Della-Giacoma von der Organisation „International Crisis Group“. Es gab zwar weitere Anschläge, zuletzt 2009 in Jakarta. Doch mehr als 600 militante Extremisten wurden festgenommen. 23 Menschen wurden wegen der Bali-Bomben verurteilt, drei von ihnen hingerichtet. Die Regierung weiß aber, dass der Kampf gegen die Extremisten nicht zu Ende ist. Allein seit August hat die Polizei fünf Terrorverstecke mit Bombenmaterial ausgehoben, zwölf mutmaßliche Extremisten festgenommen und zwei getötet. Die Polizei auf Bali warnte erst diese Woche vor möglichen Anschlägen.

Der Tourismus aber brummt nach einem jahrelangen Einbruch inzwischen trotzdem wieder. In Kuta erinnert nur noch ein Denkmal an den Horror. Über drei Millionen Besucher werden dieses Jahr erwartet. Äußerlich sind die Narben verheilt.dpa

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