Politik : Mit internationaler Hilfe gegen Antiamerikanismus

Das Pentagon hat Experten beauftragt, die Lage im Irak zu beurteilen – sie halten die nächsten zwölf Monate für entscheidend

Michael Miebach

Unabhängige Experten haben der US-Regierung konkrete Empfehlungen für die Stabilisierung des Irak gegeben. Im Auftrag des amerikanischen Verteidigungsministeriums analysierten Wissenschaftler vom Washingtoner Forschungsinstitut „Center for Strategic & International Studies“ (CSIS) die Schwierigkeiten bei der Befriedung und beim Wiederaufbau nach dem Krieg im Irak. In ihrem Bericht raten sie zu Maßnahmen in sieben „prioritären Bereichen“ – und empfehlen Washington etwa, sich stärker um internationale Unterstützung zu bemühen. „Die Vereinigten Staaten müssen sich darauf einstellen, mehrere Jahre im Irak zu bleiben“, heißt es in dem Bericht weiter. Die nächsten zwölf Monate werden laut der Experten die entscheidenden. Die wichtigste Aufgabe sei die Verbesserung der Sicherheitslage. „Der Krieg geht weiter, er hat eine neue Phase aktiven Widerstands erreicht“, schreiben die US-Experten. In allen Teilen des Irak komme es zu Angriffen auf das US-Militär, auf westliche Zivilisten und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen. Ein ähnliches Bild vom Nachkriegs-Irak zeichnet ein Bericht eines privaten Sicherheitsunternehmens: Demnach werden beinah täglich zivile Fahrzeugkonvois von bewaffneten Banden überfallen und ausgeraubt, besonders auf den Straßen von Bagdad nach Jordanien und Kuwait. Bagdad selbst werde von den Einwohnern nach Anbruch der Dunkelheit als nicht mehr sicher empfunden.

Die Wissenschaftler vom CSIS empfehlen zudem kurzfristige Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die Instandsetzung ehemals staatlicher Unternehmen sowie die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung in Entscheidungsprozesse. Der irakische Regierungsrat müsse eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau erhalten, dürfe jedoch nicht mit zu vielen „kontroversen Themen“ überfordert werden.

Der „wachsende Antiamerikanismus“ unter den Irakern macht es den Experten zufolge notwendig, dass die Vereinigten Staaten eine breitere Koalition aus verschiedenen Staaten und Organisationen schmieden. Die Rekrutierung einer internationalen Polizeitruppe sei ebenso wichtig wie finanzielle Unterstützung und die Hilfe von zivilem Personal aus anderen Ländern sowie die Nutzung logistischer Kapazitäten der Vereinten Nationen (UN). Von militärischer Hilfe ist nicht die Rede. Damit setzt der Washingtoner Bericht einen anderen Akzent als eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung. Weil die US-Truppen noch jahrelang im Irak bleiben müssten und mit andauernder Opposition und Widerstand zu rechnen sei, empfiehlt das Bertelsmann-Papier eine multinationale Truppe unter dem Dach der UN. Dieser Vorschlag entspricht der Position der Hauptkriegsgegner Deutschland, Frankreich und Russland.

Unterdessen präsentierte die US-Regierung am Montag eine Liste mit 30 Ländern, die ihre Hilfe bei der Sicherung des Irak zugesagt haben. Deutschland wird in diesem Zusammenhang zwar nicht genannt, am Montag brach jedoch ein Erkundungsteam des deutschen Technischen Hilfswerks (THW) in den Irak auf, um Möglichkeiten für den Aufbau der zerstörten Wasser- und Stromversorgung zu erkunden. Die Dienste der deutschen Katastrophen-Experten hatte Innenminister Otto Schily (SPD) der US-Regierung bei seinem jüngsten Besuch in den USA angeboten.

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