Politik : Mit Macht

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Bedeutsame Historiker wie Herta Däubler-Gmelin erinnern uns zuweilen daran, dass es seit Urzeiten ein durchgängiges Motiv für Herrscher gibt. Wem es innenpolitisch eng wird, der flüchtet in die Außenpolitik. Notfalls in aggressiver Manier. Dies galt schon für die alten Griechen, die die Demokratie nur erfanden, um leichter in den Krieg ziehen zu können. Der Fall Wilhelm II. ist schulbuchbekannt. Laut Däubler-Gmelin sind „Adolf Nazi“ und George W. Bush weitere Fälle. Wir allerdings müssen uns jetzt fragen, warum der Parteifreund der Ex-Justizministerin und NRW-Landeschef Peer Steinbrück sich in diese Galerie einreiht.

Denn Steinbrück, so hat es die Nachrichtenagentur dpa protokolliert, bezichtigt sich inzwischen selbst der „Allmachtsfantasie“. Düsseldorf wird ihm zu klein, und so spielte der Ministerpräsident bei einer Buchvorstellung in Berlin den Gedanken durch, sein Nordrhein-Westfalen wäre ein Staat statt eines Bundeslandes. Nach der Unabhängigkeitserklärung wäre NRW das sechststärkste EU-Mitglied. Weltweit knapp hinter einem ebenfalls unabhängigen Kalifornien, aber deutlich vor Russland. Außerdem, so Steinbrück, könnte sein Stellvertreter Michael Vesper in einem souveränen NRW einfach Außenminister werden. Was wesentlich besser klingt als Bauminister.

Nun müssen wir uns natürlich fragen, welche Sorgen Steinbrück in die Weltpolitik und sein Land in die Abspaltung treiben. Fürchtet er etwa die Kommunal- und Landtagswahlen? Übersetzt sich jeder Prozentpunkt, den die SPD verliert, in zusätzliche Unabhängigkeitslyrik? Hat Steinbrück bedacht, dass die Union bald 100 Prozent der Bundesratssitze stellt, wenn andere bedrohte SPD-Enklaven es ihm gleichtun? Von wem genau möchte sich Steinbrück eigentlich abspalten? Bayern? Schröder? Dem teuren Osten? Und: Da Unabhängigkeitserklärungen gern Unabhängigkeitskriege nach sich ziehen – ist der Nordrhein-Westfale eigentlich bewaffnet? Brauchen wir gar Bush zum Schutz vor Düsseldorfs expansiven Machtgelüsten?

Fragen gibt’s. Dass wir uns die noch stellen müssen!

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