Politik : Mit Meerblick

Antje Sirleschtov

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Von wegen, wir leben über unsere Verhältnisse. Mag ja sein, Herr Finanzminister Eichel, dass die Bürger allzu oft über die schönen neuen Gehwege im ganzen Land trampeln, so dass Sie gar nicht hinterherkommen mit dem Reparieren. Gut möglich auch, dass Sie uns alle ermahnen wollen, der Völlerei abzuschwören, damit wir mit unseren Leibern die Sonne nicht verdunkeln. Wegen der Sonnenkollektoren nämlich, die sonst nicht ausreichend beschienen werden können und deren Betreiber dann Dunkel-Subventionen von Ihnen verlangen. Doch das alles kann doch wirklich nicht so teuer sein. Zumal Ihnen ja diverse Experten immer wieder gute Ratschläge geben, woher man hierzulande neue Staatspenunze erhält.

Nehmen wir die Kollegen Abgeordneten vom Petitionsausschuss. Denen sind allein im vergangenen Monat 1100 neue Briefe zugegangen. Die Bürger machen sich nämlich Gedanken über die besten Lösungen für unsere gesellschaftlichen Probleme. Etwa die auffällig große Gruppe der Briefeschreiber, die kein Eigenheim zum Sonnenbaden auf der Insel Sylt haben. Und dabei doch gern eines hätten. Denn sie alle haben mit Interesse gelesen, dass Sie, Herr Eichel, 539 dieser Anwesen mit Blick auf den Strand verkaufen wollen. Sie haben sich mit Angeboten an Ihr Ministerium gewandt. Offenbar mit frustrierendem Ausgang. Denn die Bürger beschweren sich darüber, welch unverschämte Preisvorstellungen der Bund hat. Gehen Sie doch mit gutem Beispiel voran, Herr Minister. Verkaufen Sie die Immobilien für einen Euro. Das bringt 539 Euro in Ihre Kasse und trägt garantiert dazu bei, dass ebenso viele Menschen nicht gezwungen sind, über ihre Verhältnisse zu leben.

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