Politik : Mit Millionen an die Macht

Thomas Burmeister

Von der Politik wollte der ehrgeizige Medienunternehmer Michael Bloomberg, New Yorks neuer Bürgermeister, lange nichts hören. Das änderte sich, als er Milliarden verdient hatte und beschloss, Nachfolger des berühmten Stadtoberhaupts Rudolph Giuliani zu werden. Geld spielte für den erst kürzlich zur Republikanischen Partei gestoßenen Medienmogul keine Rolle. Er ließ nach Schätzungen von US-Medien bis zu 60 Millionen Dollar (130 Millionen Mark) aus seiner Privatschatulle in den dadurch insgesamt teuersten Wahlkampf fließen, den New York je erlebte. Nun hat sich Bloomberg mit hauchdünner Mehrheit von rund 30 000 Stimmen gegen seinen Herausforderer Mark Green von den Demokraten durchgesetzt.

Im Lager der Demokraten, das Bloomberg verlassen hatte, als er dort nicht gleich eine Chance bekam, hatte man dem Seitenwechsler vorgeworfen, er wolle sich das New Yorker Spitzenamt kaufen. Welchen Unterschied ein großes Privatvermögen in einem amerikanischen Wahlkampf machen kann, hatte Bloomberg vor einem Jahr im New Yorker Nachbarstaat New Jersey beobachtet. Dort war Jon Corzine, einst Chef der Investmentbank Goldman Sachs, unter Einsatz von 61 Millionen privater Dollar zum Senator in Washington gewählt worden. Doch für seinen Kampf um den "Big Apple" hat der Geschäftsmann auch hart an sich gearbeitet. So lernte der 59-Jährige noch spanisch, bevor er die für Wahlen wichtigen Gemeinden der aus Lateinamerika stammenden New Yorker mit seinem Slogan "Ich will das Erreichte ausbauen und nicht einreißen" vertraut machte.

Seine Studienjahre an Elite-Unis und damit den Einstieg bei der renommierten Börsenfirma Salomon hatte sich der Spross einer einfachen jüdischen Familie durch harte Arbeit finanziert. Bei Salomon stieg er schnell auf, wollte aber mehr Entscheidungsfreiheit und wurde 1981 mit einem goldenen Handschlag verabschiedet. Mit dem Startkapital baute Bloomberg einen internationalen Wirtschafts- und Finanzinformationsdienst auf, der wie fast alle seine weiteren Unternehmen seinen Namen trägt.

Bloomberg-Terminals, die Börsendaten, Analysen und auch politische Nachrichten liefern, stehen seit Jahren in Unternehmen und Behörden fast aller Länder. Mehr als 8000 Menschen arbeiten weltweit für ihn, davon 2400 allein in New York. Von den Terroranschlägen des 11. September auf das World Trade Center und damit zugleich auf den Finanzdistrikt war auch die Geschäftstätigkeit der Bloomberg-Gruppe betroffen.

Nicht nur deshalb glaubten viele Wähler dem Self-Made-Man, als er sich als Garant für die schnellstmögliche Wiederbelebung der Wirtschaft in New York empfahl. Über seinen Gegner Mark Green, der sich auf der politischen Leiter bei den Demokraten bis zum Ombudsmann New Yorks hoch gearbeitet hatte, ließ er per Werbespot wieder und wieder verbreiten: "Green hat noch keinen Arbeitsplatz geschaffen. Wollen Sie so einem New York anvertrauen?"

Einen wichtigen, wenn auch ungewollten Bonus dürften Bloomberg nach Meinung von Analysten die Verunsicherung nach den Terrorangriffen verschafft haben. Da lag nahe, dass viele New Yorker einer Fortsetzung der Law-and-Order-Politik im Stil Giulianis den Vorrang vor Versprechen Greens über mehr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen und mehr Minderheitenschutz gaben.

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