Politik : Mit Münte in die Pinte

Wie der SPD-Chef im Wahlkampf an der Saar hilft

Volker Hildisch[Saarbrücken]

In Saarlouis, der heimlichen Hauptstadt des Saarlandes, ist die Welt für die SPD noch in Ordnung. Hier hatte vor wenigen Wochen gegen den Trend der Landtagsabgeordnete Roland Henz den CDU-Mann mit 58 Prozent aus dem Oberbürgermeisteramt gejagt. Jetzt stehen Franz Müntefering und der SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 5. September, Heiko Maas, auf der Bühne am Kleinen Markt und erhalten freundlichen Applaus – Auftakt zum ganztägigen Wahlkampfaufenthalt des SPD-Bundesvorsitzenden im Saarland.

Die SPD kämpft mit dem Mut der Verzweiflung für einen Regierungswechsel an der Saar. Jüngste Umfragen geben ihr aber keine Chancen. Demonstranten gegen Hartz IV sieht man in Saarlouis wie tags zuvor in Saarbrücken nicht, nur zwei Passanten machen den kläglichen Versuch eines Zwischenrufs bei den Reden von Henz, Maas und Müntefering. Auch Oskar Lafontaine, der ebenso wie der linke Bundestagsabgeordnete Ottmar Schreiner im Kreisverband Saarlouis zu Hause ist, spielt offiziell keine Rolle. Doch gut zu sprechen sind die saarländischen Genossen auf den ehemaligen Bundesvorsitzenden, der mitten in der heißen Phase des Wahlkampfes mit der Unterstützung eines neuen linken Wahlbündnisses drohte, nicht mehr. Von einem Affront gegen Maas, der ihn zurückholen wollte in den Schoß der Partei, ist die Rede. „Mich hat keiner auf Lafontaine angesprochen“, wird dagegen Müntefering am Abend resümieren, nach weiteren Auftritten in Neunkirchen und Saarbrücken sowie Gesprächen mit Existenzgründern. Einen „Tanz mit Franz“ hatte die SPD zum Tagesabschluss bei einer Diskussion mit Jugendlichen angekündigt. Doch daraus wird nichts, die Jusos wollen lieber über Arbeitslosengeld II und Ausbildungsplatzabgabe diskutieren. So geht es hinterher „mit Münte in die Pinte“, wie der frühere Ministerpräsident Reinhard Klimmt im Sportheim des FC Saarbrücken drauflosreimt.

Regionale Wahlkampfthemen der SPD wie sechs Grundschuljahre, beitragsfreie Kindergärten oder Abschaffung der Staatssekretäre dringen im Krach um Hartz IV und die Krise der Bundes-SPD kaum durch. Die Strategie der SPD in den letzten 18 Tagen des Wahlkampfes wirkt daher fast wie das letzte Gefecht: Häuserwahlkampf. Die Wähler müssen damit rechnen, dass Maas persönlich vor ihrer Tür steht. Er hat in diesem Wahlkampf an Statur gewonnen, trotz oder gerade wegen Lafontaine. Doch nach jüngsten Umfragen erhält die CDU 54 Prozent . Die Partei von Ministerpräsident Peter Müller wirbt mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Saarlandes während ihrer Regierungszeit und trommelt für weniger Altersvorsorge für Abgeordnete und niedrigere Managergehälter. Da ist es für die SPD schwer, sich als Partei der sozialen Gerechtigkeit hervorzutun.

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