Politik : Mit Musik

Frederik Hanssen

Deutschland soll ein Land der Ideen werden – sagt der neue Bundespräsident Horst Köhler. Wir stellen in dieser Serie Menschen vor, die mit ihren Ideen das Land voranbringen wollen.

Soll man wirklich aufhören, wenn’s am schönsten ist? Eine Hand voll Musiker des internationalen Gustav-Mahler-Jugendorchesters hatte dazu überhaupt keine Lust: Als die Instrumentalisten zu alt geworden waren, um noch bei dem von Claudio Abbado in Wien gegründeten Nachwuchsensemble mitzuspielen, machten sie ihre eigene Firma auf: das Mahler-Chamber-Orchestra. Seit 1997 hat die Non-Profit-Organization ihren Sitz in Berlin. Auftritte des Ensembles in der deutschen Hauptstadt sind allerdings äußerst selten – weil das Preisniveau für Konzertkarten hier einfach zu niedrig ist. Zumindest für ein Orchester, das sich ohne einen Subventions-Cent vom Staat durchschlägt. Wer die 49 Musiker aus 18 Ländern live erleben will, muss dorthin fahren, wo die Tickets teuer sind: zu den feinen Opernfestspielen ins französische Aix en Provence, zum Lucerne Festival in die Schweiz, nach Baden-Baden oder Italien.

Die Mitglieder des Mahler-Chamber- Orchestra haben sich bewusst dafür entschieden, ohne Vertrag auf Lebenszeit und gewerkschaftliche Errungenschaften Musik zu machen. Ein vierköpfiges Management-Team organisiert von Berlin aus die Projekte und Tourneen, zu denen die Instrumentalisten dann aus ganz Europa zusammenkommen. Bezahlt werden sie nur für die Tage, an denen sie effektiv proben oder auftreten.

Künstlerisch spielen die Profis, die im Durchschnitt 29 Jahre jung sind, in der Champions-League des internationalen Musikgeschäfts. Was ihre Organisationsform betrifft, sind sie – noch – Avantgarde. Doch in Zeiten des Kulturabbaus könnte es schnell passieren, dass sich die Musikmanager bald zuraunen: Vom Mahler-Chamber-Orchestra lernen, heißt Überleben lernen.

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