Politik : Mit neunzehn an die Front

Viele alliierte Soldaten haben kaum militärische Erfahrung

Deike Diening

Truppen der Amerikaner und Briten kämpfen seit zwei Wochen im Irak – und geraten immer wieder in extreme Stresssituationen. Als am Montag an einem US-Kontrollpunkt ein Kleinbus einfach weiterfuhr, mussten die Amerikaner innerhalb von Sekundenbruchteilen entscheiden, wie sie sich verhalten sollten. Wie erkennen, ob in dem Toyota verkleidete Paramilitärs, Selbstmordattentäter oder aber Zivilisten saßen? Solche Situationen sind im Krieg alltäglich.

Diejenigen Soldaten, die mit solchen extremen Situationen konfrontiert sind, haben zum Teil noch keine lange militärische Erfahrung. Die Bilder von den beiden gefangenen amerikanischen Piloten des Apache-Hubschraubers zeigten zwei ganz junge Gesichter: In ihnen spiegelte sich viel Angst und wenig Lebenserfahrung. Die beiden Piloten waren 26 und 30 Jahre alt. Die gerade wieder befreite amerikanische Kriegsgefangene Jessica Lynch ist 19 Jahre alt.

Die Militärausbildung beginnt in vielen Ländern in sehr jungem Alter. In den britischen Streitkräften sind heute 11,1 Prozent Teenager, also unter 20 Jahre alt. Der Sender BBC berichtet über den vermutlich jüngsten Soldaten Ricky Fisher, der vor kurzem in Wales seinen achtzehnten Geburtstag feierte. Einen Tag später brach er in den Irak auf. Die Eltern von Trooper David Clarke,19, dem bislang jüngsten britischen Gefallenen, versicherten der BBC, ihr Sohn habe schon immer ein Soldat werden wollen. 2001 wurde das Land vom „Child Soldiers Global Report“ dafür gerügt, 16-Jährige zu rekrutieren und 17-Jährige an die Front zu schicken.

Das US-Verteidigungsministerium vermeldet auf seiner Webseite die Gefallenen, Vermissten und Kriegsgefangenen. Neben ihrem militärischen Rang und den Begleitumständen ihres Todes ist das Alter genannt: Die meisten von ihnen sind Anfang zwanzig.

Nach Ansicht von Militärexperten sind aber auch die sehr jungen Soldaten im Zuge ihrer Grundausbildung auf die Extremsituation des Krieges vorbereitet worden. Der Bundeswehroberst a.D. Konrad Freytag sagte dem Tagesspiegel, dass in den westlichen Armeen alle Soldaten speziell ausgebildet werden: Vor dem ersten Einsatz haben sie als Teil ihrer normalen Ausbildung ein Programm zur Stresserkennung und -bewältigung und Programme über die Dynamik in Gruppen durchlaufen. Für den Ernstfall allerdings könne niemand proben.

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