Politik : Mit New York und Eva Padberg

Thüringen hat kein Profil, findet man in Thüringen. Die neue Imagekampagne soll das ab heute ändern

Erik Kellermann[Erfurt]
Plakat mit Model Eva Padberg. Foto: R/D
Plakat mit Model Eva Padberg. Foto: R/D

Die Mission beginnt an diesem Montag zur besten Sendezeit. Kurz vor der „Tagesschau“ strahlt die ARD einen Werbespot aus, mit dem das kleine Thüringen große Aufmerksamkeit erreichen will. Zu einem vorwärts drängenden Schlagzeugrhythmus sind in schnellen Bildschnitten etwa zu sehen: die Brooklyn Bridge in New York, ein startender Jumbo Jet, das Modell Eva Padberg und – Lautstärke gedämpft – ein Paddler auf einem stillen See. „Das ist Thüringen“, lautet die Botschaft des Spots, der mit einem doppelten Trommelschlag endet. Ganz offensichtlich haut der Freistaat, der wegen Abwanderung und geringer Geburtenzahl nur noch gut 2,2 Millionen Einwohner hat, damit ziemlich auf die Pauke. Aber das ist der Kniff der Kampagne: mit starken Bildern die Neugier bei Touristen und Investoren zu wecken.

Dass auch die Brooklyn Bridge in der Werbung verwendet wird, ist keineswegs Hochstapelei. Denn die berühmte Brücke wurde vom Thüringer Johann August Röbling konstruiert. Auch ein Jumbo kann ohne Thüringer Mithilfe nicht durchstarten: Die Triebwerke werden in einer hochmodernen Fabrik nahe der Landeshauptstadt Erfurt gewartet. Modell Eva Padberg wiederum stammt aus einem Dorf in Nordthüringen. Sie verzichtete für ihre Mitwirkung auf eine Gage.

Neben 150 Ausstrahlungen im Nachrichtensender ntv soll der Fernsehspot noch zwei weitere Male in der ARD laufen. Den Preis für die 30 Sekunden Sendezeit will Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) nicht verraten. Er war es, der die neue Imagewerbung in Auftrag gegeben hat. Sie wurde von der Hamburger Agentur KNSK entwickelt. Abgelöst wird damit die vorherige Kampagne „Willkommen in der Denkfabrik“. Deren Motive waren durchaus witzig, aber die Selbstbeschreibung fiel eine Nummer zu groß aus: „Das mit der Denkfabrik hat uns niemand geglaubt“, sagt Machnig.

Auch als „Grünes Herz“ oder als „Deutschlands starke Mitte“ pries sich das Land in der Vergangenheit schon an. Dennoch hat es bisher eine Art Nichtimage. „Das Hauptproblem ist, dass nichts mit Thüringen verbunden wird. Es gibt kein klares Profil“, glaubt Machnig. Ihm zufolge haben bei einer Erhebung nur zwei Prozent der Befragten das Weltkulturerbe Wartburg mit dem Freistaat in Verbindung gebracht. Selbst Weimar, die Stadt der Klassiker Goethe und Schiller, sei nur von acht Prozent in Thüringen verortet worden. Wenige dürften auch wissen, dass der Freistaat Spitzenplätze bei Bildungsvergleichen erreicht und bei der Arbeitslosenquote fast zu Nordrhein-Westfalen aufgeschlossen hat.

Gerade in der Verbindung von Tradition und Moderne glauben die Macher der Kampagne den „Markenkern“ entdeckt zu haben. „Diesen wollten wir neu und modern interpretieren“, sagt KNSK-Chef Detmar Karpinski. Mit der erfolgreichen baden-württembergischen Kampagne „Wir können alles außer Hochdeutsch“ wird er nur schwer mithalten können. Die zwei Millionen Euro Jahresetat, die das Machnig-Ministerium bereitstellt, seien „vergleichsweise wenig Geld“, sagt Karpinski.

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