• Mit Nordafrika gegen Antisemitismus Paris fordert von EU neue Wege im Kampf gegen Judenfeindlichkeit

Politik : Mit Nordafrika gegen Antisemitismus Paris fordert von EU neue Wege im Kampf gegen Judenfeindlichkeit

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(vs). Nach dem Streit zwischen der Europäischen Union und Israel über den Umgang mit Antisemitismus hat Frankreich nun Brüssel zum Handeln aufgefordert. „Jetzt müssen Taten folgen von der Kommission“, sagte Jacques Huntzinger, neuer Botschafter Frankreichs für Fragen der HolocaustErinnerung und -Entschädigung, am Mittwoch in Berlin. So sprach er sich dafür aus, dass Europa mit den Ländern südlich des Mittelmeers über den Antisemitismus ins Gespräch kommt. Auch innerhalb Europas müsse der interreligiöse Dialog verstärkt werden. Im vergangenen Jahr wurden in Frankreich 600 antisemitische Übergriffe registriert. 90 Prozent davon sind nach Angaben des Botschafters dem „neuen“ Antisemitismus zuzurechnen, der vor allem von Einwanderern aus Nordafrika ausgeht und mit dem Nahost-Konflikt verbunden ist. Huntzinger räumte ein, dass die Übergriffe, deren Zahl im Jahr 2000 sprunghaft angestiegen war, zunächst unterschätzt worden seien. „Bei den Behörden gab es anfangs eine gewisse Passivität.“ Im Kampf gegen den Antisemitismus setzt Paris heute neben verstärkten Sicherheitsmaßnahmen sowie der Strafverfolgung vor allem auf Bildung und Erziehung.

Jüdische Organisationen und Israel hatten die wachsende Zahl der Übergriffe scharf kritisiert. Die Ernennung des Sonderbotschafters, der sich eigens dem Problem des Antisemitismus widmet, gilt auch als Signal, dass Paris diese Sorgen ernst nimmt. Für die Entschädigung von Juden, die während der Besatzungszeit enteignet worden waren, hat Paris eine Kommission eingerichtet, die jeden Einzelfall prüft. Bisher wurden nach Angaben ihres Direktors Lucien Kalfon bereits 130 Millionen Euro an die Opfer ausgezahlt.

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