Politik : Mit Schleppern im Bund

Moritz Kleine-Brockhoff

Achmad Hussein Ali hat überlebt. Er ist einer der 45 Flüchtlinge, die am Wochenende aus dem Wasser vor Java gerettet wurden. Rund 370 andere ertranken, als ein überladenes Flüchtlingsschiff auf dem Weg nach Australien sank. Was der Iraker Ali erzählt, ist kaum fassbar: "30 indonesische Polizisten, bewaffnet mit Pistolen und Maschinengewehren, haben uns gezwungen, an Bord zu gehen."

Die Reise der Flüchtlinge wurde von einer Schlepperbande organisiert, die rund 5000 Mark pro Person kassierte. Indonesien war Transitland auf dem Weg vom mittleren Osten nach Australien. Kareem Jabar, ein anderer Flüchtling aus dem Irak, berichtet auch von indonesischen Polizisten, die zusammen mit Mitgliedern der Schlepperbande am Hafen gestanden hätten, als die Flüchtlinge das Schiff bestiegen. Auch der Chef der Bande sei dabei gewesen. "Er hämmerte den Kolben seiner Pistole auf den Kopf eines Mannes, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern nicht mitfahren wollte, weil das Boot so voll war", erzählt Jabar. Das Schiff war den Berichten zufolge knapp 20 Meter lang und hatte mehr als 400 Flüchtlinge an Bord. Nach wenigen Stunden fiel der Motor und damit auch die Wasserpumpe aus. Das Boot lief voll Wasser und sank. "Die Polizei hat mit den Schleppern zusammengearbeitet", sagte auch Ali Ahmmad, ein Kurde. Nach den Vorwürfen meinte Indonesiens Polizeichef General Suroyo Bimantoro jetzt knapp: "Das stimmt alles nicht." Der Chefinspektor der Polizei, Engkesman Hillep, räumte dagegen ein, dass Polizisten von Schleppern bestochen werden könnten. "Wir vermuten, dass einige Polizisten Geld nehmen", sagte Hillep.

Nicht zum ersten Mal berichten Flüchtlinge, dass indonesische Beamte mit Schlepperbanden zusammenarbeiten. Als vor zwei Monaten ein ähnlich überladenes Boot sank, berichtete ein Überlebender ebenfalls, dass Polizisten den Transport zum Hafen und das Ablegen des Kutters überwacht hätten. Damals starben zwei Flüchtlinge, die anderen schafften es bis zu einer Insel. Zwei Wochen später rettete der norwegische Frachter "Tampa" 433 Flüchtlinge aus Seenot.

"Grundsätzlich werden alte, billige Boote benutzt, immer sind sie überladen", sagt Richard Danzinger, der Chef der Internationalen Organisation für Migration in Jakarta. "Den Preis des Bootes kalkulieren die Schlepper mit ein, weil es oft konfisziert wird, wenn es Australien erreicht." Dass indonesische Polizisten bestochen werden und im Gegenzug die Schlepper schützen, hält Danzinger für möglich. "Es geht um viel Geld. Die Banden können hier fast ungehindert arbeiten", sagt er. "Wir müssen sie endlich fassen. Was sie tun, ist Mord." Dass die Schlepper in Indonesien arbeiteten, sei kein Geheimnis; außer ein paar kleinen Fischen sei aber bislang niemand festgenommen worden.

Viele Flüchtlinge, die die Katastrophe vom Wochenende überlebten, nennen den Namen Abu Quassey. Der Ägypter sei Chef eines Schlepperringes, der in Jakarta operiere. Ihn hätten sie bezahlt. Der Mann ist Interpol und dem australischen Geheimdienst bekannt. Australien verlangt seine Auslieferung. "Wir wissen nicht, wo der Mann ist", sagte ein Sprecher der indonesischen Polizei. "Wir suchen ihn."

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