Politik : Mit Sicherheit ein gutes Gefühl

Mirko Weber

Mit ihren Plakaten hat die CSU in der letzten Zeit wenig Glück gehabt, zumindest in München. Zuerst ist ihr ehemaliger Kandidat für den Posten des Oberbürgermeistes, Aribert Wolf, im letzten Herbst über eines gestolpert, auf dem die SPD bezichtigt wurde, "Terrorzellen in München" die Miete zu zahlen. Wolf hatte zwar bei der Wahl 1996 mit 37 Prozent ordentlich gegen den Amtsinhaber Christian Ude (SPD) abgeschnitten, aber das war fünf Jahre später - auch wegen anderer nicht gerade erleuchteter Äußerungen des Kandidaten - schon wieder fast vergessen. Die Plakataktion kostete Wolf endgültig seinen Job, auch auf Betreiben von Edmund Stoiber.

Ebenfalls von Stoiber wurde daraufhin Hans Podiuk zwangsverpflichtet, der Fraktionschef im Stadtrat, ein gutmütiger Mensch, aber auch von einer Behäbigkeit (Ude sagt: "geistige Schlichtheit"), die ihn nicht schnell genug Nein sagen ließ. Das reichte für seine Nominierung. Gedrängt hatte er sich nicht. Podiuk startete in der Öffentlichkeit mit einem ansehnlichen Grinsen unter der Schlagzeile "Mit Sicherheit ein gutes Gefühl", aber das Lachen verging ihm schnell wieder, denn die von der CSU verpflichtete Werbeagentur hatte ihm damit einen Slogan zugedacht, mit dem vor Jahren auch schon Slip-Einlagen beworben worden waren.

Die Siegesfeier ist schon organisiert

Man hat die CSU schon glücklicher gesehen in München, das traditionell nicht ihre Stadt ist. Gleichwohl liegt die Partei in den Umfragen nicht schlecht im Augenblick. Zwar ist kaum daran zu denken, dass der für sozialdemokratische Verhältnisse sonnengottähnlich seit acht Jahren regierende Amtsinhaber Ude von Podiuk abgelöst wird, wohl aber droht das rot-grüne Bündnis auseinander zu brechen. Ude wäre auf eine schwarz-rote Koalition angewiesen. Die wiederum hat es in entscheidenden Fragen für die Stadt sowieso immer wieder gegeben, zuletzt bei der Entscheidung über das neue Fußballstadion in Fröttmaning und auch vorher schon bei den Beratungen zum Ausbau der U-Bahn und der Erweiterung des Flughafens.

In der Endphase des Wahlkampfes, der niemals wirklich einer war, hat der Amtsinhaber Ude sich aber in einem Punkt noch einmal deutlich von der CSU abgegrenzt, als er dem vom Land unterstützten Projekt Transrapid eine eindeutige Absage erteilte. Darüber hinaus wird weder er noch sein Herausforderer so schnell etwas an Münchens größtem Problem ändern können: der Wohnungsnot.

Ude jedenfalls, der in München über allen steht und sachlich selten angreifbar ist, hat für Sonntagabend schon bei seinem griechischem Lieblingsrestaurant gebucht und alle Termine für den Montag auf jeweils eine Stunde später gelegt. So sehen Sieger aus. Dementsprechend hat sich auch die überregionale Parteiprominenz einerseits leicht, andererseits schwer getan, etwas Befeuerndes beizutragen. Ein müder Gerhard Schröder, der erst zum Abschluss der Kampagne am Donnerstag nach München kam, blieb blass. Joschka Fischer gab für seinen Parteifreund Hep Monatzeder den Staatsmann, und Guido Westerwelle begutachtete biertrinkend und wohlwollend die Münchner FDP-Frauenclique hinter der Kandidatin Gabriele Neff, die in den letzten Monaten eher mit ihrem Aussehen als mit besonderen Einsichten hervorgetreten ist.

Auch Stoiber ist im Wahlkampf weniger als Kenner der Kommunalpolitik in Erscheinung getreten - der er dennoch am ehesten von allen Prominenten ist - denn als Kandidat in der persönlichen Warmlaufphase. Trotzdem wird allgemein und übereinstimmend in Abrede gestellt, es handle sich bei der bayerischen Kommunalwahl, bei der 8,9 Millionen Wahlberechtigte in über 2000 Städten und 70 Landkreisen über die künftigen Gemeinde- und Kreisparlamente, Bürgermeister und Landräte entscheiden, um einen Test für den Bundestagswahlkampf. Wenn nun aber das rot-grüne München tatsächlich ein wenig wankte, wäre das zumindest für Edmund Stoiber mit Sicherheit ein schönes Gefühl.

80 Stimmen

Das bayerische Kommunalwahlrecht gibt den Bürgern besonders viele Mitspracherechte. Sie können sich ihre einzelnen Wunschkandidaten für die Kommunalparlamente quer durch alle Parteien und Listen aussuchen. Jeder Wähler hat so viele Stimmen, wie es Sitze in seinem Gemeinderat oder Kreistag gibt. In der Landeshauptstadt München sind das allein für den Stadtrat 80 Stimmen. Der rosa Wahlzettel dort hat mit 728 Bewerbern Rekordgröße. Die Bürger können aber auch eine Partei oder eine Wählergruppe direkt ankreuzen. dpa

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