Politik : Mit SMS gegen die Taliban

Briten wollen Gotteskrieger mit Kurznachrichten vertreiben / Botschaften sollen Kampfgeist untergraben

Sarah Kramer,Matthias Thibaut

Berlin/London - Beim Kampf gegen die Taliban in Afghanistan setzen die britischen Streitkräfte jetzt offenbar auf eine neue Waffe – Kurzmitteilungen (SMS) aufs Handy. Nach einem Bericht der britischen „Sun“ werden die Kämpfer seit November von der militärischen Spezialeinheit „15 (UK) Psychological Operations Group“ mit SMS überhäuft. Die entsprechenden Telefonnummern seien zuvor vom Nachrichtendienst ausspioniert worden.

„Wir wissen, wer du bist, gib’ auf!“ oder „Geh’ nach Hause, du wirst uns nie besiegen“ sollen die Nachrichten beispielsweise lauten, die die Moral der Taliban schwächen und die Kämpfer verwirren sollen. Andere Kurzmitteilungen seien als SMS von Talibankameraden getarnt und mit falschen Informationen gespickt.

Das britische Verteidigungsministerium nahm zu dem Bericht der „Sun“ keine Stellung. „Wir geben grundsätzlich keine Kommentare zu Geheimdienstangelegenheiten ab“, sagte eine Sprecherin. Die für die psychologische Kriegsführung zuständige 15 (UK) Psychological Operations Group in Bedfordshire ist Teil der Geheimdienste.

Philip Taylor, Spezialist für die psychologische Kriegsführung an der Universität Leeds, hält den Einsatz von Handys als taktische Waffe gegen die Taliban für plausibel. „Mobiltelefone werden seit längerem schon in Kriegssituationen eingesetzt“, sagt der Wissenschaftler. Bei der Invasion im Irak hat das Mobilfunknetz eine Rolle gespielt, in Tschetschenien haben russische Einheiten Rebellen per SMS aufgefordert, sich zu ergeben, und Israel hat erst in diesem Sommer seine Angriffe auf den Libanon durch automatisierte Handymitteilungen ergänzt. Offenbar wollte man den Menschen den Eindruck vermitteln, die Israelis seien überall.

Afghanistan hat seit 2002 sein eigenes Mobilfunknetz „Afghan Wireless“. Die Taliban sind laut Professor Taylor „sehr gut beim Einsatz des Mobilfunks für ihre Operationen“. Der Forscher bezweifelt allerdings, dass sich hartgesottene Talibankämpfer durch SMS-Botschaften von alliierten Streitkräften in die Flucht schlagen lassen. „Das Zielpublikum bei psychologischer Kriegsführung muss empfänglich für die Botschaft sein, wenn sie eine Wirkung haben soll“, sagt Taylor. Das Schwierigste für „Psy Ops“ , wie die psychologische Kriegsführung bei den Militärs heißt, sei es, „die Meinungen der Überzeugten zu ändern“.

Wie die Briten die Handynummern der Taliban erhalten, sei „ein Staatsgeheimnis“, meint Professor Taylor – es ist Teil der „elektronischen Kriegsführung“. Die Nummern werden über Spionagesatelliten und Übertragungsstationen des lokalen Mobilfunknetzes abgefangen. Die SMS werden dann in aller Ruhe in der Zentrale der britischen Psy-Op-Einheit im ländlichen Bedfordshire abgesetzt.

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