Politik : Mit Spaten und Lasergewehr

Boris Peter

Militärgeschichte galt hier zu Lande lange Zeit als anrüchig. Daher distanzieren sich die Herausgeber gleich zu Beginn von "skurrilen Waffen- und Uniformspezialisten" und versprechen, die Kriegshandlungen in ihren historischen Zusammenhang zu stellen. Neben bekannten Schlachten wie Salamis, Sedan und Stalingrad werden auch ferne Schauplätze vorgestellt wie das syrische Ain Dschalut, wo die Mameluken dem mongolischen Reiterheer 1260 eine schwere Niederlage zufügten.

Der Blick der Autoren richtet sich in erster Linie auf die Frage nach den militärischen und politischen Auswirkungen der einzelnen Auseinandersetzungen. So entschieden die Preußen 1866 bei Königgrätz nicht nur den Krieg für sich, sondern konnten obendrein die Österreicher dauerhaft aus Deutschland verdrängen.

Während Königgrätz also eine Entscheidungsschlacht im doppelten Sinne darstellt, wurde Cold Harbor 1864 zum "Musterbeispiel einer entscheidungslosen Schlacht". Dierk Walter schildert wie sich in Cold Harbor, unweit von Richmond, dem Regierungssitz der Konföderierten, die Männer von General Robert S. Lee hinter massiven Erdwerken verschanzten. Längst war der Spaten im Sezessionskrieg zur wichtigsten Waffe geworden. Als Oberbefehlshaber Ulysses S. Grant die Unionstruppen am Vorabend der Schlacht über den bevorstehenden Frontalangriff unterrichtete, nähten zahlreiche Männer Namensschilder an ihre Mäntel, damit man ihre Leichen später identifizieren konnte. Indem Walter auch die Perspektive der Soldaten berücksichtigt, erhält der Leser hier eine Ahnung von den Schrecken einer Schlacht - ein Aspekt, der bei anderen Autoren dieser Anthologie nicht genügend berücksichtigt wird.

Gibt es noch entscheidende Schlachten? Nein, glauben die Herausgeber. Gegenwärtig gebe es einerseits "niedrigschwellige" Kriege, bei denen zumindest eine Konfliktpartei als irregulärer Verband kämpft. Andererseits werden hochgradig technisierte Kriege geführt, wie von der Nato 1999 gegen Jugoslawien.

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