Mittelamerika : Nicaraguaner wählen Präsidenten

In Nicaragua sind 3,6 Millionen Wahlberechtigte zur Wahl eines neuen Präsidenten und eines neuen Parlaments aufgerufen. Der Ex-Guerillero und frühere Staatschef Ortega geht als aussichtsreichster Kandidat ins Rennen.

Managua - Umfragen sahen den heute 60-jährigen Daniel Ortega, der das mittelamerikanische Land von 1979 bis 1990 an der Spitze der linksgerichteten Sandinistischen Befreiungsfront (FSLN) regierte, klar in Führung vor dem Bankier Eduardo Montealegre von der rechtsgerichteten Liberalen Nicaraguanischen Allianz (ALN). Auf Platz drei lag demnach José Rizo, der Chef der Liberalen Verfassungspartei (PLC) des scheidenden Präsidenten Enrique Bolaños.

Die Wahllokale sollten um 18.00 Uhr Ortszeit (Montag, 01.00 Uhr MEZ) schließen. Die letzten Umfragen vor der Wahl sahen Ortegas Stimmenanteil bei 30 bis 34 Prozent der Stimmen, den seines Widersachers zwischen 22 und 25,5 Prozent. Zum Staatsoberhaupt gewählt ist, wer im ersten Wahlgang mehr als 40 Prozent der Stimmen erhält; es reichen aber auch 35 Prozent der Stimmen, wenn der Vorsprung vor dem zweitplatzierten Kandidaten mindestens fünf Prozentpunkte beträgt.

Jimmy Carter als Wahlbeobachter

Die USA machten im Vorfeld der Wahl keinen Hehl aus ihrer Unterstützung für Montealegre. Ortega sein "ein Tiger, der seine Streifen nicht gewechselt hat", sagte der US-Botschafter in Nicaragua, Paul Trivelli. Sollte er die Wahl gewinnen, würde sich in Nicaragua eine ähnliche Regierung etablieren wie derzeit in Venezuela, wo der Linksnationalist und Kritiker Washingtons, Húgo Chavez, an der Macht ist. Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter, der als Wahlbeobachter im Land ist, kritisierte die Einmischung von außen. Er habe Vertrauen darin, dass die Nicaraguaner in der Lage seien, frei ihre Repräsentanten zu wählen, sagte Carter am Vorabend der Wahl.

Zehn Prozent der Wahlberechtigten galten als unentschieden. Sollte es zu einer Stichwahl kommen, könnte im Kampf um das Präsidentenamt Montealegre das Rennen machen, weil er dann die Stimmen des gesamten bürgerlichen Lagers auf sich vereinen dürfte. Gewählt wurden auch die 91 Abgeordneten der Nationalversammlung in Managua. Etwa tausend internationale Wahlbeobachter überwachten den Urnengang. (tso/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben