Mittelmeerraum : Europas hauseigener Nord-Süd-Konflikt

Die Mittelmeeranrainer wollen sich besser vernetzen. Das gefällt nicht allen in der Gemeinschaft.

Ralph Schulze[Madrid]

Im Mittelmeerraum werde auch über Europas Zukunft entschieden – so wirbt Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy für sein neues Lieblingskind. Dort, wo zwei Zivilisationen zusammenstoßen, das reiche Europa und das vergleichsweise arme Nordafrika, Christentum und Islam, müssten gemeinsam für den Frieden gearbeitet und Kriege verhindert werden. „Mittelmeerunion“ heißt das politische Projekt Sarkozys, dem sich nun in einem gemeinsamen „Aufruf von Rom“, der italienische Ministerpräsident Romano Prodi und Spaniens Regierungschef Jose Luis Zapatero anschlossen. Bei manchen nördlichen EU-Mitgliedern löst das Vorhaben Argwohn aus.

Dass es an Europas Süd- und Südostflanke brodelt und die EU dem nicht tatenlos zusehen kann, ist bereits länger klar: Wachsender religiöser Fundamentalismus, der nicht selten in Gewalt mündet, ist spürbar derzeit etwa in Algerien, wo in diesem Jahr etliche Selbstmordanschläge die Nation erschütterten. Von Marokko bis Libyen gibt es eine frustrierte junge Generation, die ihren Staaten den Rücken kehrt und nach Europa auswandern will. Dazu kommt der Nahostkonflikt. In vielen arabischen Mittelmeerländern fehlt Demokratie, gibt es viel Armut.

„Die Union für die Mittelmeerregion soll Europa und Afrika mittels der Anrainerstaaten vereinigen und eine Allianz schaffen, in der alle gleich sind“, heißt es in dem Manifest der drei südeuropäischen Staatsführer. Kein EU-Staat solle ausgeschlossen werden. Die Initiative, beruhigt Spaniens Ministerpräsident Zapatero die Zweifler, „kommt aus der EU und dient der EU“. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte angesichts des Sarkozy-Planes vor einer Spaltung Europas gewarnt. Nach einem Treffen mit Sarkozy milderte sie ihre Kritik.

Ob die „Mittelmeerunion“, wie von den EU-Südstaaten vorgesehen, als eigenständiger Zusammenschluss überhaupt notwendig ist, muss sich erst noch erweisen. Rund drei Milliarden Euro in Krediten und Hilfen überweist die EU derzeit jährlich auf die andere Seite des Mittelmeergrabens, um Stabilität und Wirtschaft zu fördern. Zahlreiche bilaterale Handelsabkommen wurden abgeschlossen, die mal in eine mediterrane Freihandelszone münden sollen. Auch die Zusammenarbeit in Sachen illegale Einwanderung macht Fortschritte. Nur der wohl entscheidende Kampf gegen die Armut kommt nicht voran. Der Wohlstandsgraben zwischen Europa und Afrika wird immer größer.

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