Politik : MITTEN IM LEBEN

Auch im muslimisch geprägten Pakistan mögen die Menschen die netten Dinge des Lebens.

Nicht ohne Burger

Widersprüche gehören zu Pakistan wie die Achttausender, die die Bergsteiger so faszinieren. So sehr quasi jeder auf die Amerikaner schimpft – ihre Fast-Food-Ketten sind beliebt. Quer durchs Land gibt es Kentucky Fried Chicken und McDonalds, und sie machen offenkundig gute Geschäfte. „Wer Kinder hat, ist mindestens einmal in der Woche dort“, lacht ein Vater. „Sonst protestieren sie lauthals.“ Selbst in Peschawar, der Hauptstadt der unruhigen Grenzregion Khyber Pakhtunkhwa, für das Ausländer wegen der Sicherheitslage eine Sondergenehmigung brauchen und vor der deutsche wie US-Botschaft warnen, weisen die rot-gelben Schilder den Weg zum Lunch beim vermeintlichen Feind.

Gerne mit Glamour

Seit April erscheint das People-Magazin „Hello!“, ein Ableger des spanischen „Hola“. Schon auf dem Titel lächeln Mode-Diven mit offenem Haar und blanken Schultern, im Innern tragen Frauen knappe Minis, werben teure internationale Marken. Eine Oben-Ohne-Schönheit werde es nie geben, gab CEO Zahraa Assad Saifullah Khan zu Protokoll, die zu einer der großen reichen Familien gehört und das Hochglanzmagazin für umgerechnet 4,30 Euro verkauft. Religiöse Gruppen kritisierten, das Heft habe schlechten Einfluss auf Kinder. Die Chefin erklärte selbstbewusst: „Wir wollen das Bild des Landes verändern.“ Knüller der Erstausgabe war ein „superexklusives“ Gespräch mit Hollywoodstar Sean Penn.

Blaues Wunder

Pakistans Gesetze verbieten Muslimen Alkohol. Einer der größten Steuerzahler ist gleichzeitig die Murree-Brauerei, die im Jahr 80 000 Hektoliter Bier und ebenso viel Schnaps produziert – inklusive einer Kopie des Bombay-Sapphire-Gin. „Wir können das besser“, heißt es in der Geschäftsführung. Für Bauern im Süden brennen sie günstigen Whisky. „Der Staat ist da, um Nein zu sagen, die Menschen, um Ja zu sagen“, sagt feinsinnig ein Pakistaner.

Ausgelassene Nächte

Es ist wie überall auf der Welt: Auch Pakistaner wollen feiern – egal wie streng religiöse Eiferer sich zu Wort melden. Nicht nur in Islamabad und Lahore feiern die, die es sich leisten können, ausschweifende Parties. Nicht in großen Discos, aber gerne mal in einer hippen Galerie. Auf solchen Parties sind schulterfreie Outfits, Etuikleider, Make-up, Highheels, Jeans, aufgekrempelte Hemden, lässige Sakkos angesagt. Die Fete startet nicht vor 22 Uhr und geht bis in den Morgen. Es gibt Cocktails, Sushi als Fingerfood, frischen Lachs auf Eisbett, nach Mitternacht auch auf der Terrasse. Sie tanzen eng, sie tanzen gut, und nicht nur ganz junge Leute amüsieren sich zu dem Lied „I am sexy and I know it“, modern gemixten Sufirhythmen oder zur Musik ihres lokalen „Superstars“. Einer raunt, die Parties in Peschawar, in der konservativen Grenzregion, seien noch toller, „da gibt es das beste Hasch“, ein anderer schwärmt von verflossenen muslimischen Freundinnen. Zwischendurch wechseln Gäste zu einer anderen Fete, manches unverheiratete Tanzpaar zwitschert gemeinsam ab. Auch in der Food Street in der wuseligen Altstadt von Lahore vergnügen sich in lauen Nächten nicht nur junge Männer.

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