Politik : Mitten in Kabul: Taliban töten Karsai-Vertrauten Anschläge auf Politiker gefährden Nato-Abzug

18.07.2011 17:14 UhrVon Christine Möllhoff
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Am Himmel patrouillieren Hubschrauber, als US-General David Petraeus in Kabul feierlich den Befehl über die fast 150 000 Nato-Truppen an US-General John Allen übergibt. Nach einem Jahr kehrt der 58-jährige Petraeus nach Washington zurück, um CIA-Chef zu werden. Wenige Stunden vor seinem Abschied am Montag machten die Taliban allerdings deutlich, dass Afghanistan noch lange nicht befriedet ist. Mitten in Kabul töteten sie einen der engsten Berater von Präsident Hamid Karsai, den Ex-Gouverneur der Provinz Urusgan, Dschan Mohammed Khan.

Für Karsai ist dies der zweite schwere Verlust binnen nur einer Woche. Am vergangenen Dienstag hatte ein Leibwächter, angeblich auf Geheiß der Taliban, in Kandahar Karsais Halbbruder Ahmed Wali ermordet.

Nun musste der Präsident auch Khan zu Grabe tragen, der, wie das Afghanistan Analyst Network schreibt, eine Art Vaterfigur für den Staatschef verkörperte. „Er war für Karsai so wichtig wie sein Bruder Ahmed Wali“, sagte ein Regierungsmitarbeiter. Sonntagnacht war es zwei bewaffneten Attentätern gelungen, Khans Haus zu stürmen und ihn sowie den Parlamentarier Haschim Watanwal zu töten. Wie Ahmed Wali galt auch Khan als oft skrupelloser Machtpolitiker, war aber eine tragende Figur in Karsais Regime.

Die Mordserie im engsten Kreis des Staatschefs lässt nichts Gutes ahnen – weder für die erhofften Friedensgespräche mit den Taliban noch für das Abzugskonzept der Nato. Die Anschläge zielten darauf, Panik in Karsais Führungszirkel zu schüren, sagte der Analyst Haroun Mir dem US-Sender ABC. Wenn die Anschlagsserie nicht gestoppt würde, könnte die Regierung über kurz oder lang handlungsunfähig werden.

Laut Mir hat eine Reihe von Politikern aus Angst bereits das Land verlassen, andere trauten sich nicht mehr aus ihren Häusern. Auch die Bürger verlören den Glauben, dass die Regierung sie schützen könne. Die Morde untergraben damit auch das Abzugskonzept der Nato. Dieses fußt darauf, dass die afghanischen Sicherheitskräfte bis Ende 2014 das Kommando übernehmen. In einem Bericht des Verteidigungskomitees des britischen Parlaments heißt es nun jedoch, der Abzugsplan dürfe nicht dazu führen, dass die Afghanen fürchteten, der Westen liefere sie den Taliban aus.

Auch Petraeus konnte das Ruder nicht wirklich herumwerfen. Im Irak hatte er einen verlorenen geglaubten Krieg gerettet, doch Afghanistan ist ein schwierigeres Terrain. Seine Bilanz falle „gemischt“ aus, meinten US-Medien. Zwar reklamiert die Nato, dass sie im unruhigen Süden Fortschritte gemacht und die Taliban gestoppt hat, doch landesweit wächst die Gewalt und die Zahl der Todesopfer. Auch Petraeus räumt ein, dass die Erfolge im Süden „nicht unumkehrbar“ seien. Nun ruht die Last auf seinem Nachfolger John Allen, der sich vor allem einen Namen machte, als er im Irak Bündnisse mit lokalen Führern gegen Aufständische schmiedete.

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