Politik : Mladic beschimpft seinen Richter

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Den Haag - Der bosnisch-serbische Ex-General Ratko Mladic hat erneut die Aussage vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag verweigert und ist kurz nach Beginn einer Anhörung wegen Missachtung des Gerichtssaals verwiesen worden. Mladic war am Morgen im hellgrauen Anzug vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal erschienen und war gleich zu Beginn von Richter Alfons Orie zur Ordnung gerufen worden, weil er sich an das Publikum wandte. Erst nach mehreren Aufforderungen nahm er seine Schirmmütze ab, forderte dann aber, sie wieder aufsetzen zu dürfen. „Ich friere am Kopf, lassen Sie mich die Kappe wieder aufsetzen. Wenn ich friere, reagiert die Hälfte meines Körpers nicht. Sie stellen hier unmögliche Bedingungen.“

Den Richter unterbrach Mladic zudem mehrfach. „Nein, ich werde mir das nicht anhören“, sagte er und zog sich die Kopfhörer aus den Ohren. „Sie sind kein Gericht.“ Dazu, ob er auf schuldig oder nicht schuldig plädiere, wollte sich der mutmaßliche Kriegsverbrecher mit Verweis darauf, dass seine beantragten Verteidiger noch nicht bestätigt worden seien, nicht äußern. „Herr Orie, Sie können tun, was immer Sie wollen. Ohne meine Anwälte gibt es für mich keinen Grund, etwas entgegenzunehmen oder zu sagen.“ Dem Gericht zufolge reichte der Angeklagte seine Anwaltsliste erst kurz vor der Anhörung und damit zu spät ein. Als Mladic den Richter schließlich mit den Worten „Sie lassen mich nicht atmen“ anschrie, ließ dieser ihn abführen. In Abwesenheit Mladics verlas der Richter dann die Anklage. Dem 69-jährigen Ex-General werden in elf Punkten Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs von 1992 bis 1995 vorgeworfen. Er wird vor allem für das Massaker von Srebrenica 1995 mit etwa 8000 Toten und die 44-monatige Belagerung Sarajevos verantwortlich gemacht. Mladic war Ende Mai nach 16 Jahren auf der Flucht in Serbien gefasst worden. AFP

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