Politik : Mobiler Schutz an der Elbe

Sachsen präsentiert neues Konzept gegen Hochwasser

Matthias Schlegel

Dresden. Sachsen hat den Bund aufgefordert, sich finanziell stärker am Hochwasserschutz an den Bundeswasserstraßen zu beteiligen. Das müsse in einer anstehenden Novellierung des Wasserhaushaltsgesetzes festgeschrieben werden, sagte Sachsens Umweltminister Steffen Flath (CDU) am Montag in Dresden bei der Vorstellung des Hochwasserschutzkonzeptes des Freistaates.

Mit einem Investitionsprogramm, in das jährlich 100 Millionen Euro an Landes-, Bundes- und EU-Mitteln fließen sollen, will Sachsen die Hochwassergefahr reduzieren. Die Finanzierung ist aber noch nicht gesichert. Allein 335 Millionen Euro will der Freistaat in den Hochwasserschutz an der Elbe investieren. So ist geplant, mit bis zu 9,60 Meter hohen mobilen Schutzwänden im Gefahrenfall die vorhandenen Durchlässe an der Brühlschen Terrasse zu schließen und damit fast die gesamte historische Dresdner Altstadt zu schützen. Auch für Pirna und Riesa sind solche mobilen Wände geplant. Weiterhin sollen knapp 28 Kilometer Deich zurückverlegt werden. Dadurch würden für die Elbe rund 2400 Hektar an zusätzlicher Überschwemmungsfläche geschaffen. Mit den Eigentümern dieser zumeist landwirtschaftlichen Flächen müssten nun Einzelregelungen vereinbart werden, sagte Ministeriumssprecher Dirk Reelfs. Insgesamt sollen 123 Kilometer Deich saniert oder neu gebaut werden. Vier Polder mit einer Fläche von 16 Quadratkilometern sollen im Norden Sachsens künftig im Hochwasserfall 30 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen. In Torgau soll demnächst mit dem Bau eines Binnendeichsystems begonnen werden. Radebeul erhält mehr Schutz durch weitere Dämme.

Laut Reelfs werde mit Tschechien weiter verhandelt, um die Hochwasser-Vorwarnzeiten zu verlängern. Derzeit liegen sie bei 24 Stunden. Den Bau von zwei geplanten Elbestaustufen in Tschechien lehnt Sachsen ab. Deren Wirkung als Hochwasserschutz sei umstritten. Außerdem sei zu befürchten, dass dadurch auch in Deutschland Begehrlichkeiten zum Elbeausbau entstehen könnten, den Sachsen aber strikt ablehne, sagte Reelfs.

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