Politik : Modellversuch zur Therapie von Schwerstabhängigen wird von der Regierung unterstützt

Die Bundesregierung setzt in der Drogenpolitik künftig mehr auf Hilfe anstatt auf Repression durch die Polizei. Das kündigte der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Erwin Jordan, am Dienstag auf dem Deutschen Richtertag in Karlsruhe an. Als Vorbild der neuen Drogenpolitik nannte Jordan die heroingestützte Behandlung von Schwerstabhängigen in den Niederlanden und der Schweiz. Derzeit unterstütze die Bundesregierung einen Modellversuch zur Therapie von Schwerstabhängigen mit Heroinabgabe unter ärztlicher Aufsicht.

Jordan zufolge ist der Modellversuch in sieben deutschen Städten mit 600 bis 700 abhängigen Patienten auf drei Jahre angelegt. Derzeit würden die rechtlichen Voraussetzungen zur Einrichtung von Drogenkonsumräumen geschaffen. Die Erfahrungen in den Niederlanden und der Schweiz zeigten, dass sich durch derartige "Überlebens- und Ausstiegshilfen" die Zahl von Drogentoten regional drastisch senken lasse. Nach Angaben des Staatssekretärs stieg die Zahl der Drogen-Ermittlungsverfahren von 1985 mit 60 000 Fällen auf 217 000 im Jahr 1998. Die Zahl von Erstkonsumenten harter Drogen stieg in dieser Zeit von 3000 auf über 20 000.

Die Erfahrungen der Vergangenheit hätten gezeigt, dass die Androhung von Strafen den Drogenkonsum nicht eindämmen könne. Die Justiz habe darauf teilweise auch schon reagiert und stelle Verfahren, bei denen es um Eigenkonsum geringer Mengen geht, überwiegend ein. Bei Verfahren gegen Konsumenten harter Drogen zeige sich, dass die Gerichte sich als "pädagogische Instanz verstehen wollen, denen es um Erziehung von Abhängigen zur Abstinenz geht", sagte Jordan. Ein Zwangsentzug sei allerdings das ungeeignetste Mittel, um von der Drogensucht wegzukommen.

Der Schweizer Drogenexperte Ambros Uchtenhagen bestätigte diese Einschätzung und verwies auf die erfolgreichen Therapiemodelle in der Schweiz auf freiwilliger Basis. Laut Uchtenhagen hat die Schweiz neben Spanien die größte Dichte an Therapieplätzen für Heroinabhängige in ganz Europa.

Zum künftigen Umgang mit weichen Drogen sagte Jordan: "Es muss die Frage erlaubt sein, ob nicht weitere Schritte zur Entkriminalisierung des Cannabis-Konsums angezeigt sind".

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